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Das sind die Fintech-Trends 2017

In diesem Jahr ist Fintech den Kinderschuhen entwachsen. Im kommenden Jahr wird sich die Branche professionalisieren.

Marc P. Bernegger

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und es häufen sich die Prognosen für 2017. Was kommt, was geht, was wird das nächste grosse Ding? Künstliche Intelligenz, Blockchain, RegTech sind als Schlagworte in aller Munde.

Doch es geht auch realistischer, wenn man sich einmal die aktuellen Fintech-Entwicklungen anschaut. Sie stellen die Weichen für das kommende Jahr. Insbesondere drei Felder sind spannend.

Mehr KMU-Banking

Viele Fintechs haben sich 2016 auf nur zwei Kundengruppen fokussiert: entweder die ganz grossen Banken oder die privaten Endkunden. Doch zum einen hat auch der Mittelstand einen respektablen Umsatz, zum anderen fehlen aber noch viele digitale Finanzprodukte, vom Payment-Anbieter über Firmenkredite oder Warenfinanzierungen. Für Peer to Peer Lending sind die Unternehmen zu gross, ein klassischer Bankkredit aufwendig und langwierig.

Immer mehr Fintechs haben das Bedürfnis der kleinen und mittleren Unternehmen erkannt und bieten für sie Lösungen an. Das Start-up Valendo zum Beispiel, eigentlich gestartet als digitales Pfandleihaus, bietet auch eine Warenfinanzierung für Online-Händler an. Ein kluger Schachzug, dank dem sowohl Händler als auch das Unternehmen profitieren.

Ein anderes Beispiel ist das Fintech Iwoca aus England, das speziell zugeschnittene Kredite für Mittelständler anbietet (in England werden heute bereits knapp 20% aller Mittelstandskredite über neue Online-Anbieter vermittelt). 2017 werden wir eine signifikante Ausweitung solcher Dienstleistungen für KMU durch innovative Fintechs erleben.

Mehr B2B-Lösungen

2016 ist Fintech den Kinderschuhen entwachsen. War es für 2015 noch ein schwieriges Unterfangen für Fintechs, bei Bankmanagern eine offene Tür zu finden, so partnern heute immer mehr Finanzinstitute mit den Tech-Firmen, die schneller und effizienter sind als die hauseigenen IT-Abteilungen.

Kaum eine Bank, die heute über kein Digital Lab verfügt, um dem Innovationsgrad der Fintechs nachzueifern. Die Folge: Auch die Fintechs feilen an immer besseren Geschäftsmodellen, um den Anforderungen der Banken gerecht zu werden.

Ein Beispiel ist das Fintech-Unternehmen FinReach aus Berlin, das mit seinem volldigitalen Kontowechsel bereits über hundert deutsche Banken als Kunden hat und nun die Internationalisierung startet. Die grosse Zahl an Partnerbanken ist ein Vertrauensbeweis. Und diese Art von Vertrauen ist notwendig, wenn man im B2B-Bereich (von Business zu Business) erfolgreich sein will.

Das setzt auch professionelle Mitarbeiter voraus. Ex-Banker mit langjähriger Erfahrung im Finanzbereich, inklusive ehemaliger Vorstände, halten Einzug in die Büros vieler etablierter Fintech-Unternehmen. Die coolen Studenten aus der Uni erfinden vielleicht eine neue Taschengeld-App, die erfolgreichen Fintechs aber sind erwachsen geworden. Das wird sich 2017 noch stärker fortsetzen, insbesondere wegen der Anforderungen anspruchsvoller B2B-Modelle.

Mehr komplexe Geschäftsmodelle

Nicht nur die Mitarbeiter werden professioneller, auch das Setting der Fintechs an sich. Starteten die ersten als Hype ohne richtiges Geschäftsmodell, angewiesen auf die Gunst der User, geht heute kaum ein Fintech mehr an den Start, ohne vorher die nötigen Lizenzen von den Behörden beantragt und schon vor dem Launch umfangreiche Tests durchgeführt zu haben.

Statt «Lean Start-up» heisst es nun von null auf hundert. Die solarisBank, eine Tech-Plattform mit Vollbanklizenz, erhielt schon vor dem Launch ihre Banklizenz von der deutschen BaFin – in Rekordzeit von nur neun Monaten.

Elinvar wiederum hat einen B2B2C-Ansatz und bietet privaten Vermögensverwaltern alle nötigen Bausteine, um ihr Portfolio digital zu managen. Mithilfe eines Algorithmus, der mit individuellen Daten gefüttert wird, kann der Vermögensverwalter seine Kunden schneller und besser betreuen.

B2B2C ist nicht einfach, weil es das Vertrauen des Anbieters voraussetzt wie auch bei den Verbrauchern gut ankommen muss. Umso mehr bedarf es der gründlichen Vorbereitung des Produkts. 2017 wird uns mit mehr komplexen und anspruchsvollen Fintech-Modellen überraschen.

Eines hat 2016 zumindest bewiesen: Fintech war und ist nicht nur ein Hype, sondern eine ernstzunehmende Entwicklung und führt zur Digitalisierung und Transformation der gesamten Finanzbranche. 2017 hat die Chance, Fintech noch mehr Berufsfeldern zugänglich zu machen, durch neue Kundengruppen und neue Geschäftsmodelle. Die Weichen sind gestellt, jetzt kommt es auf die (richtigen) Fahrer an.

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