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Meinungen

Das Spiel mit dem Feuer

«Der letzte Griff in den Giftschrank wäre eine Verzweiflungstat.»
Der Staat stützt die Konjunktur und bezahlt mit frischem Geld der Notenbank. Diese Vision ist umstritten, aber näher, als man denkt. Ein Kommentar von Ressortleiter Philippe Béguelin.

Die Notenbank soll Geld drucken und direkt Staatsschulden finanzieren. Das ist ein Griff in den Giftschrank der Geldpolitik, der notabene seit der Finanzkrise schon fast ausgeräumt worden ist. Bereits hervorgeholt haben die Zentralbanken zwei umstrittene geldpolitische Arzneimittel, den Negativzins und das Kaufprogramm von riesigen Mengen an Staatsanleihen. Das dritte Instrument wäre der endgültige Tabubruch: Staatsausgaben oder Steuersenkungen werden statt mit Kredit direkt mit der Geldpresse bezahlt, das ist Helikoptergeld.

Wenn alle Dämme brechen, dann droht Hyperinflation, wie in der Weimarer Republik der Zwanzigerjahre. Das zumindest befürchten Kritiker. Die Trennung der Geld- von der Fiskalpolitik werde weiter verwischt, die übermächtigen Notenbanken verlören ihre Unabhängigkeit endgültig.

Allzu weit weg von dieser ultimativen Option sind wir nicht. In Japan war das Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik von Anfang an der Kern des Stimulierungsprogramms Abenomics. Die Bank of Japan werde nicht in der Lage sein, die gekauften Staatsanleihen wieder abzustossen, um die aufgeblähte Notenbankbilanz zu stutzen, sagt der Ökonom Adair Turner im Interview. Es werde immer offensichtlicher, dass Japans Zentralbank Staatsschulden mit frischem Geld finanziere. Turner argumentiert, solches Gelddrucken für einen Konjunkturanschub sei wirkungsvoller als ein Anleihenkaufprogramm und habe weniger Nebenwirkungen. Aber nur, wenn die Notenbank unabhängig sei.

Das ist der Haken. Das Wundermittel Helikoptergeld bringt Schulden zum Verschwinden. Doch es besteht die Gefahr, dass Politiker die Geldpresse ab dann missbrauchen. Der letzte Griff in den Giftschrank wäre eine Verzweiflungstat.