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Meinungen

Das Teilen stösst an seine Grenzen

«Sowohl Airbnb wie auch Uber geraten mit ihrem Geschäftsmodell immer wieder in die Kritik.»
Die Sharing Economy muss sich auf Kooperation statt auf Disruption besinnen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Pascal Meisser.

Eine gelbe Plage sei das – sagt der Bürgermeister des Londoner Quartiers Wandsworth –, was seit einigen Wochen die britische Metropole überrollt. Damit meint er die Invasion asiatischer Mietfahrradanbieter, die seit Mitte Juli ohne vorherige Ankündigung ihre Bikes in London platzieren.

Seine Reaktion war unmissverständlich: Er liess kurzerhand hundertdreissig solcher Mietbikes konfiszieren – wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. So sollen achtlos geparkte Mietfahrräder den Zugang zu stark frequentierten Bahnhöfen behindert haben.

Der Bürgermeister von Wandsworth ist nicht der einzige, dessen Freude sich in Grenzen hält. Auch in Zürich hatte der Stadtrat jüngst irritiert reagiert, weil der Anbieter Obike, ein Jungunternehmen aus Singapur, vorgängig nicht das Gespräch mit den Behörden gesucht hatte.

Graubereiche nutzen

Einmal mehr läuft ein Jungunternehmen aus dem Bereich der Sharing Economy auf, weil es anstelle der Kooperation die Disruption sucht. Grundsätzlich ist dieses Vorgehen ja sinnvoll, weil die «Ökonomie des Teilens» den Besitzstand aufbrechen will.

Es verhilft den Unternehmen in einer ersten Phase auch zu Schlagzeilen, kann aber einer längerfristigen breiteren Akzeptanz abträglich sein.

Das zeigt sich an der Gratwanderung, auf der sich die beiden grössten Vertreter der Sharing Economy – Airbnb und Uber – befinden.

Airbnb ist eine Zimmervermittlungsplattform, die es Privaten ermöglicht, freien Wohnraum tageweise an Fremde zu vermieten; Uber ist eine Taxi-App, die sowohl reguläre Taxis wie auch Hobbychauffeure zur Beförderung von A nach B vermittelt.

Beiden Unternehmen ist es gelungen, weltweit die Hotel- und Taxibranche binnen kurzer Zeit kräftig aufzumischen.

Widerstand wächst

Allerdings geraten sowohl Airbnb wie auch Uber mit ihrem Geschäftsmodell immer wieder in die Kritik. Denn beide beschränken sich ausschliesslich auf das Vermitteln von Dienstleistungen, alle anderen Pflichten wälzen sie auf ihre Vertragspartner ab.

Bei Uber sind Fahrer nicht angestellt, sondern gelten als selbständig Erwerbende. Kosten im Fall von Krankheit werden sozialisiert.

Anders liegt der Fall bei Airbnb: Der Vermittlungsdienst hat in einigen Städten bewirkt, dass Wohnungen in Zentrumsnähe für die einheimische Bevölkerung je länger je unerschwinglicher werden.

In Barcelona sind die Mieten an guten Lagen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Bereits sind Teile der Stadtbevölkerung auf die Strasse gegangen, um gegen Airbnb zu demonstrieren.

Andere Städte wie New York, Paris oder Berlin haben Regeln erlassen, unter welchen Umständen private Zimmer an Touristen vermietet werden dürfen. Zudem funktioniert das System vor allem auch deshalb, weil private Wohnungsanbieter oft Abgaben wie Kurtaxen unterschlagen, im Gegensatz zu traditionellen Hotels.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Wirtschaft des Teilens vom Flair der jungen Wilden, die am Computer im Keller eine Online-Plattform programmieren, zu einem immer potenteren Geschäftsmodell entwickelt.

Gleichzeitig stösst das Teilen an seine Grenzen, weil der Drang nach Disruption, dem Bruch mit dem Gewohnten, die individuellen Freiheiten und den öffentlichen Raum in einem immer grösseren Mass beeinträchtigt.

Lektionen lernen

Auch das jüngste Beispiel der Mietbikes zeigt auf, dass Disruption alles andere als zielführend sein kann. Anstelle einer vorgängigen Bedürfnisabklärung und entsprechender Bereitstellung einer sinnvollen Anzahl Fahrräder werden Städte mit asiatischen Billigbikes überschwemmt.

Paradox an der Situation ist, dass viele Städte durchaus an Anbietern von Mietvelos, die nicht mehr an Dockstationen gebunden sind, interessiert sind. Man unterstütze jede Initiative, die das Fahrradfahren fördert, liess der Bürgermeister von Wandsworth ausrichten.

Auch Zürich zeigt sich gesprächsbereit. Da fragt sich, weshalb nicht von Beginn weg Kooperation statt Konfrontation gesucht wird.

Das sind Lektionen, welche die Jungunternehmen aus dem Bereich der geteilten Dienstleistungen immer noch lernen müssen.