Märkte / Makro

Das vergessene Schweizer Chapter 11

Die stille provisorische Nachlassstundung ist ein unterschätztes Finanzierungsinstrument, das hilft, den Konkurs zu vermeiden und eine Sanierung einzuleiten.

Andreas Schweizer und Georg Wohl

Mit der Coronakrise haben Un­ternehmensrestrukturierungen und Konkurse an Relevanz gewonnen. Aktuelle Erhebungen wie das kurz vor Ausbruch der zweiten Welle im Herbst 2020 durch die ZHAW School of Management and Law erhobene Coronavirus-KMU-Panel bestätigen diese Einschätzung. Von den befragten Unter­nehmen, die einen Covid-19-Kredit in ­Anspruch ­genommen hatten, gehen 16% davon aus, ihn – wenn überhaupt – erst nach 2025 zurückzahlen zu können. Knapp 10% erachten die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses bis Ende Jahr als gross oder sehr gross.

Der Bundesrat hat dies erkannt und per 16. Oktober 2020 Teile der Aktienrechtsrevision in Kraft gesetzt. Die Höchstdauer der stillen provisorischen Nachlassstundung wurde von vier auf acht Monate verlängert. Das ist zu begrüssen.

Liquidität sichern

Unternehmenskrisen laufen nach einem bekannten Muster ab. Unmittelbar vor dem Konkurs gerät das Unternehmen in eine Liquiditätskrise. Die Eigentümer sind kaum mehr in der Lage, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um den Betrieb zu stützen. Banken dürfen aus regulatorischen und risikopolitischen Gründen vielfach keine (weitere) Finanzierung mehr gewähren. Dies kann auch für eine Gesellschaft, die mit einer Restrukturierung oder einer Neuausrichtung an sich über­lebensfähig wäre, das Ende bedeuten. Während einer provisorischen Nachlassstundung kann eine solche Finanzierungslücke geschlossen werden. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?