Märkte / Makro

«Weltfinanzsystem hat sich verändert»

Ilene Grabel, US-Wirtschaftsprofessorin, über den häufig unterschätzten Wandel seit der Finanzkrise, der das System unübersichtlicher, aber stabiler machte.

Die meisten Kommentatoren, die über die globale Finanzpolitik schreiben, sind der Meinung, dass sich seit der Weltfinanzkrise nichts geändert hat. Die Mängel der alten globalen Finanzarchitektur bestehen fort, und die Politik hat aus der Vergangenheit nichts gelernt. Die Wirtschaftsprofessorin Ilene Grabel kommt in ihrer Forschungsarbeit zu einem ganz anderen Ergebnis.

«Es hat sich viel verändert. Nicht im Sinne eines radikalen Regimewechsels, sondern es haben unausgewogene, experimentelle Veränderungen stattgefunden», erläutert sie im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Der Wandel müsse nicht zwangsläufig binärer Natur sein, also der Austausch eines alten durch ein neues System, sondern er finde auch innerhalb dieser beiden Pole statt. «Ich behaupte nicht naiv, dass die Tage des Dollars gezählt sind oder der IWF nicht mehr wichtig ist. Es ist falsch, so etwas zu behaupten. Vielmehr handelt es sich um eine ungeordnete, komplexe Entwicklung.» Grabel bezeichnet diesen Prozess als produktive Inkohärenz und versteht ihn als eine Bereicherung für die globale wirtschaftliche Weltordnung.

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