Meinungen

Dauerangst

Die Rohstoffpreise ziehen auf breiter Front an. Und schon tauchen Inflationsängste auf. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«In der deflationären Schweiz sollte Preisdruck mit offenen Armen empfangen werden.»

Platin (Platin 1'134.25 +0.42%), Palladium (Palladium 2'341.23 -0.13%), Kupfer, Rohöl, Aluminium, Baumwolle (Baumwolle 0.88 +0.71%), Erdgas (Erdgas 1.82 -3.75%) und, und, und. Die Kurse einer grossen Zahl von Rohstoffen befinden sich seit Wochen in einer erstaunlichen Hausse. Wenn es nach den Analysten von Goldman Sachs (GS 327.37 -0.58%) geht, ist dies nur der Beginn eines Super-Cycle des schwarzen Goldes und seiner Kumpane. Die anhaltende Dollar-Schwäche tut das Übrige dazu, um dieser Rally zusätzlich Schwung zu verleihen. Selbstverständlich wird diese Dynamik nicht vor den Konsumentenpreisen haltmachen. Die Teuerung zieht an, endlich. 

Der Katzenjammer war gross im Nachgang der Krise. Wohlgemerkt nach der grossen Finanzkrise. Seither wurde die Inflation schon mehrmals zu Grabe getragen und die Japanisierung auch in den USA und Europa heraufbeschworen. Kaum steigen nun die Preise für einige Güter an, schwappt die Sorge der Marktteilnehmer bereits in die andere Richtung. Und kaum ist ein Licht am Ende des Tunnels in Sachen Pandemie sichtbar, wird die Grösse des Hilfspakets in den USA unter Beschuss genommen und als inflationstreibend in Verruf gebracht.

Ob der Auftrieb der Teuerung nachhaltig sein wird, ist fraglich. Viel davon wird durch die Rohstoffe angetrieben. Zumindest in der deflationären Schweiz sollte Preisdruck mit offenen Armen empfangen werden. Solange die Bondrenditen nicht vehement steigen – und dies werden die Notenbanken zu verhindern wissen –, sind auch Aktienanleger im laufenden Jahr vor grösseren Katastrophen sicher. Doch es ist noch nicht zu spät, das Portfolio peu à peu auf die Reflation auszurichten. Zum Glück.

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