Reisen bildet, so heisst es. Nicht nur die Reisenden, sondern auch die Besuchten. Einst führten die Leute im Landwassertal ein karges Leben und verstiegen sich nicht dazu, Schnee als Anlass zu Wonne und Erquickung zu nehmen – dazu brauchte es spinnerte Fremde: die frühen Touristen aus Grossbritannien und Deutschland, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Alpen als Spielwiese entdeckten, sogar im Winter. In Davos begann ein Wagner, für sie Schlitten zu bauen, wobei er wohl ein norwegisches Modell vor Augen hatte – Know-how-Transfer. Ab den 1890er-Jahren beschafften die Davoser Handwerker die Kufen-Rohlinge in Frauenfeld: Im Thurgau wächst die biegsam-zähe Esche, dort war schon damals die Technik des Dampfbiegens im Einsatz. Heute werden die Original Davoser-Schlitten denn auch unten im Industriedorf Sulgen gefertigt, nicht oben im mondänen Kurort. Dort ist immerhin noch regelmässig die hohe Kunst des Dampfbiegens im Schwang: Diese Woche sondern etliche Dampfplauderer aus aller Welt heisse Luft ab, bis sich die Balken biegen. Das ist natürlich Häme, nicht mal die halbe Wahrheit; die Welt- und Wirtschaftslenker wollen nach Kräften miteinander «networken» – und Schlitten fahren.