Noch vor wenigen Tagen wurde ausgelassen gefeiert, und die tolle Stimmung schien kein Ende zu nehmen. Leider hat sich wieder einmal gezeigt, dass an Aschermittwoch alles vorüber ist. Die Börsenparty war schon einige Tage vorher beendet worden. Die Angst hat an den internationalen Börsen das Zepter in die Hand genommen.

Unsicherheit ist das Schlimmste, was dem Börsianer passieren kann. Seit jeher regieren die Börsenteilnehmer extrem sensibel darauf, wenn sie nicht einschätzen können, welche Auswirkungen ein Ereignis mittel- bis langfristig auf die Entwicklung an den Märkten haben kann. So war es bei den furchtbaren Terroranschlägen von 2001 in New York und auch bei der Naturkatastrophe von Fukushima. Die aktuelle Krise schürt die Angst vor einer Pandemie und einer dadurch ausgelösten weltweiten Rezession. Da niemand exakt einschätzen kann, wie stark und ob überhaupt eine solche kommt, regiert die Angst.

Dieses Verhalten ist auf der einen Seite irrational, weil derzeit noch keine Fakten auf dem Tisch liegen, und auf der anderen Seite rational, weil es ganz einfach ein menschliches Verhalten bei Gefahr darstellt. Der Fluchtgedanke ist seit der Steinzeit eben noch immer in uns Menschen verankert. So flüchten Händler und Börsianer derzeit aus den Märkten und produzieren so einen Crash auf Raten.

Unterstützungs- und Trendlinien haben in solchen Phasen keine Bedeutung mehr. Trotzdem sollte darauf geachtet werden. Auch wenn die letzten wichtigen Marken ohne einen Halt nach unten durchschritten wurden, wird irgendwann eine der Unterstützungen beachtet werden. Zuletzt fiel die Marke von 13’000 Punkten, die in den letzten Monaten immer wieder für eine Trendwende gut war. Eine nächste solche beachtenswerte Marke verläuft im Bereich von 12’400 Punkten. Auch dieser Bereich stellt derzeit lediglich eine Chance dar. Die Indikatoren hatten zwar eine Korrektur angezeigt, mit einer solch starken Bewegung war aber nicht zu rechnen.

Auffällig, aber in dieser Situation normal war der Umsatz der letzten beiden Handelstage. Am Montag überstieg er sogar das Volumen des letzten grossen Options- und Futures-Verfallstages im Dezember. Ein so starker Umsatz an Tagen mit besonders grossen Rückschlägen deutet meist auf eine Ausverkaufsstimmung hin. Ob sie bereits stattgefunden hat oder ob es noch einige Tage so weitergeht, ist derzeit nicht absehbar. Jedenfalls handelt es sich um das berühmte fallende Messer an den Börsen, in das man noch nicht hineinfassen sollte. Auch wenn man beim Einstieg einige Punkte liegen lässt, ist es besser, erst einmal eine Beruhigung der Lage abzuwarten, statt jetzt schon mutig zu sein und am Ende Lehrgeld bezahlt zu haben. Am Aschermittwoch ist die Party eben vorbei, und die Fastenzeit beginnt. Hoffen wir, dass an Ostern der Frühling Einzug gehalten hat und die Welt von diesem Virus befreit ist.

(Quelle der Grafik: FactSet Digital Solutions)


Zum Markttechniker: Christoph Geyer

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