Manchmal kommt es einem vor, als beobachte man eine Schafherde, die vom Schäferhund scheinbar willkürlich einmal in die eine und dann wieder in die andere Richtung getrieben wird. Als Aussenstehender sieht es so aus, als komme die Richtungswende völlig überraschend und ohne dass dies vorhergesehen werden kann. In Wirklichkeit ist der «beste Freund des Menschen» speziell darauf ausgerichtet, die Herde zusammenzuhalten und in eben eine Richtung zu treiben. Die Händler und die Marktteilnehmer an den Börsen sind keineswegs mit einer Schafherde zu vergleichen, und Politiker sind mit ihren manchmal auffälligen Aussagen auch keine Schäferhunde. Trotzdem verhält sich die Mehrheit an den Märkten manchmal genauso wie die beschriebene Schafherde. Wenn die Ersten losrennen, rennen alle anderen hinterher.

Gestern war wieder ein solcher Tag. Zunächst deutete alles darauf hin, dass der Dax kräftig im Minus schliessen würde und die nächste Unterstützungsmarke anvisiert wird. Sie war zwischenzeitlich auch nur noch knapp 90 Punkte entfernt. Ab der Mittagszeit drehte dann die Stimmung, der Index stieg kontinuierlich und schaffte es sogar fast wieder in den Gewinn. Wäre ein ausgeprägter Abwärtstrend vorangegangen, könnte man von einer «Hammerformation» sprechen. Auffällig war auch die Umsatzentwicklung. Ein Tag mit einer Handelsspanne von über 200 Punkten sollte eigentlich recht hohen Umsatz aufweisen. Dies war aber nicht der Fall. Entsprechend war der Abwärtsdruck offenbar nicht so hoch, wie die Notierung es zwischenzeitlich vermuten liessen. Aber auch die anschliessende Erleichterung scheint nicht von der breite der Marktteilnehmer geteilt worden zu sein. Da die Indikatoren derzeit keine Hilfestellung geben, bleibt der vermeintliche Hammer. Sollte der Markt heute über dem gestrigen Top notieren, könnte dies der Startschuss für eine Jahresendrally gewesen sein.

(Quelle der Grafik: FactSet Digital Solutions)


Zum Markttechniker: Christoph Geyer

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