In den vergangenen Wochen wurde in den Medien verschiedentlich darüber berichtet, ob es sich bei der aktuellen Situation im Dax um eine Umkehrformation der Marke Schulter-Kopf-Schulter (SKS) handeln könnte. Diese nicht allzu häufig vorkommende Umkehrformation kann für sich in Anspruch nehmen, eine recht hohe Trefferwahrscheinlichkeit zu haben.

Allerdings wird sie auch immer wieder fehlinterpretiert. Der Name kommt zunächst einfach nur vom Aussehen, da es hier eine unverkennbare Ähnlichkeit zur menschlichen Anatomie gibt. Bei einem genaueren Blick auf diese Formation wird klar, dass sich hier einige klassische technische Signale wiederfinden.

So wird im Laufe des Entstehens ein vorangegangener Trend gebrochen. Die Vollendung der Formation wird durch ein Unterschreiten einer Unterstützungslinie – die in diesem Fall Nackenlinie genannt wird – vollzogen. Das Anlegerverhalten, das sich hinter allen technischen Formationen verbirgt, ist in diesem Fall recht einfach erklärt. Während in der linken Schulter und im Kopf noch Euphorie und Kaufkraft steckt, geht in der rechten Schulter bereits die Skepsis um, da keine neuen Tops generiert werden.

Die Anleger, die in der linken Schulter und im Kopf gekauft haben, wollen aber keine oder nur geringe Verluste erleiden und werden zunehmend nervös. Dies hat zur Folge, dass die Kurse durch Abgaben bröckeln und immer mehr Investoren, also auch diese, die im Bereich der Nackenlinie gekauft haben, zunehmend unsicher werden.

Je mehr Abgabedruck aufkommt, umso weniger Anleger sind bereit, Positionen aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt kommt es dann zum Bruch der Nackenlinie und meist zu einem deutlich anziehenden Umsatz. Im aktuellen Fall passen einige Parameter nicht zur klassischen SKS. Es ist üblich, und auch das gehört zum Anlegerverhalten, dass der Umsatz in der linken Schulter besonders hoch ist, im Kopf abnimmt und in der rechten Schulter am geringsten ist. Auch kann oft beobachtet werden, dass die Nackenlinie leicht steigt.

Der Trend wird häufig bereits zu Beginn der rechten Schulter gebrochen. All dies ist bei der aktuellen Lage nicht gegeben. Auch ein Umsatzanstieg beim aktuellen Durchbruch ist derzeit noch nicht zu sehen. Trotzdem hat der Dax die Nackenlinie, oder eben nur eine Unterstützungslinie, nach unten durchbrochen, was ein negatives Zeichen darstellt.

Auch die Divergenz beim MACD-Indikator zeigt, dass der Markt angeschlagen ist. Sollte es sich bei der Formation tatsächlich um eine klassische SKS handeln, auch wenn einige Faktoren nicht stimmen, könnte die weitere Entwicklung so aussehen, dass nach einer Ausweitung der aktuellen Abwärtsbewegung ein Pullback (also eine Gegenbewegung) auf die jüngsten Verluste folgt. Dies würde dann an die Nackenlinie zurückführen.

Auch wenn eine solche Gegenbewegung nicht immer stattfindet, bietet sie doch eine gute Gelegenheit, noch auszusteigen. Was den Trend betrifft, so wurde zwar die Trendlinie gebrochen, nach der Dow-Theorie muss aber nach dem letzten signifikanten Tief geschaut werden. Dieses wurde im Jahr 2016 gebildet.

Bis es zu einem Unterschreiten dieses Tiefs kommt, sind also noch einige tausend Punkte nach unten zu absolvieren. Ob es so weit kommt, ist fraglich. Vielmehr dürfte auf niedrigerem Niveau eine Bodenbildung stattfinden. Eine solche könnte z.B. im Bereich von knapp unter 11’000 Punkten geschehen und dann wieder neue Einstiegschancen bieten.

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