Zu schön, um wahr zu sein? Wiewohl das Arrangement edelkitschig ist – man darf es sich dieser Tage so einrichten. Giovanni Boccaccio zeigt es vor im «Decamerone», in der Novellensammlung, die um 1350 erschien. Damals wurde sein Florenz von der Pest heimgesucht; er schreibt: «Gegen dieses Übel half keine Klugheit oder Vorkehrung, obgleich man es daran nicht fehlen und die Stadt durch eigens dazu ernannte Beamte von allem Unrat reinigen liess, auch jedem Kranken den Eintritt verwehrte und manchen Ratschlag über die Gesundheit erteilte.» Sieben junge Frauen und drei blühende Burschen zogen sich zurück auf ein Landgut, «mit mancherlei Bäumen und Sträuchern bewachsen, alle grünbelaubt und lieblich anzusehen.» Dort erzählten sie sich zehn mal zehn Geschichten, drollige und traurige, zarte und harte. Die Szenerie hier gemahnt ganz von ferne an Boccaccio: Ein junges Paar macht es sich in (gebändigter) Natur komfortabel behaglich und geniesst Geschichten, lesend neben- statt ­redend miteinander. Was mit Boccaccios Freundeskreis nach der Rückkehr in die verseuchte Stadt geschah, wissen wir nicht. Wir ahnen bloss, dass unsere Heimkehr nach der ­Sommerpause zu wahr sein könnte, um schön zu sein. (Bild: Moirenc Camille/Keystone)