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Delivery Hero mit viel Rückenwind

Der Essenslieferdienst geht gestärkt ins neue Jahr und peilt einen Umsatz zwischen 6,1 und 6,6 Mrd. € an.

(Reuters) Der Essenslieferdienst Delivery Hero (DHER 122.50 -4.22%) geht dank der Übernahme des südkoreanischen Anbieters Woowa mit viel Rückenwind in das Jahr. Nach einem starken Auftakt will das Berliner Unternehmen seinen Umsatz im Gesamtjahr auf 6,1 bis 6,6 Mrd. € mehr als verdoppeln. Zugleich plant Delivery Hero, das Investitionstempo deutlich hochzuschrauben und im laufenden Jahr rund 550 Mio. € in die Hand zu nehmen – vor allem für den Ausbau eigener Lagerhäuser für zusätzliche Waren wie Lebensmittel oder Medikamente sowie die Expansion in Japan und Vietnam. «Wachstum ist unsere Nummer eins Priorität», sagte Firmenchef Niklas Östberg am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Diese untermauerten die Strategie: Der Umsatz stieg um 116% auf 1,4 Mrd. €, das neunte Quartal in Folge, in dem sich die Erlöse verdoppelten. Operativ schreibt Delivery Hero aber weiter Verluste. Am Aktienmarkt kam der Ausblick gut an: Die inzwischen im Dax (DAX 15'170.78 +2.12%) notierte Aktie legte im Handel knapp 8% zu und war zweitgrösster Gewinner im Dax nach der Deutschen Bank. Wegen der Ausgangsbeschränkungen und Hygieneregeln in der Corona-Pandemie bestellen viele Menschen ihre Mahlzeiten online bei Restaurants und lassen sie sich nach Hause liefern, was Delivery Hero zahlreiche Neukunden bescherte. Östberg rechnet nicht damit, dass die Bestellungen – derzeit rund 100 in der Sekunde – auf ein Vor-Corona-Niveau zurückfallen. Es gebe eine «neue Normalität».

Vom Bestellboom will Delivery Hero, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist, noch stärker profitieren, indem es das Geschäft mit schnellen Lieferungen innerhalb von 60 Minuten ausbaut – nicht mehr nur von Mahlzeiten, sondern auch von Lebensmitteln, Medikamenten, Blumen und Elektronikgeräten. Dafür hat Delivery Hero ein Netz von inzwischen 600 Lagerhäusern rund um den Globus aufgebaut, das stetig wächst. Inzwischen macht die Firma, deren grösster Markt Asien ist, mit dem Quick Commerce genannten Geschäft 10% des Gesamtumsatzes. «Der Bereich wird in den nächsten Jahren stark wachsen», sagte Finanzchef Emmanuel Thomassin zu Reuters. In Deutschland ist Delivery Hero seit dem Verkauf des Geschäfts an den Lieferando-Eigner JustEat Takeaway.com nicht mehr aktiv.

Mit dem im Frühjahr abgeschlossenen 5,7 Mrd. € schweren Woowa-Kauf, der in den Prognosen und Zahlen des ersten Quartals berücksichtigt ist, stemmte Delivery Hero die bisher grösste Übernahme in der Firmengeschichte. Thomassin hält weiter nach Akquisitionen Ausschau: «Das könnten neue Länder und andere Ergänzungen sein.» Weltweit sammeln Lieferdienste derzeit hohe Summen bei Kapitalgebern ein oder gehen an die Börse wie Südkoreas Branchenprimus Coupang oder der indische Anbieter Zomato. An diesem ist Delivery Hero als Minderheitsaktionär beteiligt und will es laut Thomassin auch bleiben: «Ich denke nicht, dass wir verkaufen.»

Die Kosten will Delivery Hero stärker im Blick haben. Im vergangenen Jahr verringerte sich der Konzernverlust auf 1,4 Mrd. € nach 1,63 Mrd. € 2019. Im laufenden Jahr soll sich dann auch der Betriebsverlust verringern. Delivery Hero peilt eine bereinigte Ebitda-Marge gemessen am Bruttowarenvolumen zwischen minus 1,5 und minus 2,0% an. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei minus 4,6%.

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