Die Coronakrise veranlasst viele Regierungen dazu, demokratische Regeln und Gepflogenheiten ausser Kraft zu setzen – das gilt auch für die Schweiz. Das ist dann zu akzeptieren, wenn die Notmassnahmen klar vorübergehender Natur sind. Einige besonders skrupellose Politiker, die Demokratie eher als störend empfinden, drängen sie auf unabsehbare Zeit in den Hintergrund. So geschehen in Ungarn, wo sich Premier Viktor Orbán nahezu diktatorische Befugnisse geben liess, auf unbestimmte Zeit. Ob all der berechtigten Empörung darüber geht vergessen, dass die Staatsform der Demokratie im globalen Kontext lange Zeit eher eine Randerscheinung war. Noch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, in den Jahren 1938/39, wurden weltweit gerade einmal 17 Demokratien gezählt. Fünf Jahre nach dem Kriegsende, 1950, waren es erst deren 25. Darauf stieg der Zahl demokratischer Staaten langsam. Vor vierzig Jahren waren es immerhin schon 41. Richtig aufwärts ging es mit der Demokratie erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach 1989. Die Zahl der Demokratien stieg von damals 51 auf 99 im Jahr 2018. Erfreulich ist, dass mit knapp 56% (Stand 2015) mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in einer Demokratie lebt. Knapp ein Viertel lebt in autokratischen Staaten, also Diktaturen, davon rund 80% in China. Knapp 17% leben in Anokratien, gemeint sind Mischformen zwischen Demokratie und Autokratie.