Meinungen

Den Teufelskreis vermeiden

Ein Deflation würde Euroland zurück in die Staatsschuldenkrise stürzen. Schuldenschnitte wären auf mittlere Sicht nicht mehr abzuwenden. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Deflation in Europa würde die Schuldenlast untragbar machen.»

Die jüngsten Kursgewinne in Staatsanleihen der Europeripherie sind nicht so sehr den wirtschaftlichen Fortschritten der Länder zuzuschreiben, sondern sie spiegeln die Erwartung, dass die EZB noch dieses Jahr damit beginnt, Obligationen auf dem Markt aufzukaufen. Ankündigungen solcher Quantitative-Easing-Programme lösten in der Vergangenheit stets ein Kursfeuerwerk an den Märkten aus. Das war in den USA der Fall, in Japan, Grossbritannien und jetzt auch in Euroland.

Entschieden ist nichts, aber dass die Notenbanker etwas unternehmen müssen, um das Deflationsgespenst zu verscheuchen, steht ausser Frage. Im März betrug die euroweite Teuerungsrate nur noch 0,5%. Viele Mitgliedstaaten schweben zwischen Stagnation und Rezession, ohne Hoffnung auf Wachstumsimpulse und mit der Aussicht auf weitere Strukturreformen, die Kosten, Preise und damit zunächst auch die Einkommen unter Druck setzen werden.

Deflation in Europa würde die Schuldenlast untragbar machen. Griechenlands Schulden entsprechen 170% des Bruttoinlandpro­dukts – fast doppelt so viel wie im Fall Japans zu Beginn der dortigen Deflation. Dass Hellas bei sinkenden Einkommen und hohen Realzinsen jemals in der Lage wäre, die steigende reale Schuldenlast abzubezahlen, ist illusorisch.

Das Problem würde sich in den anderen hoch verschuldeten Euroländern ebenfalls stellen: in Portugal, Italien, Spanien. Die von Brüssel abgesegneten nationalen Fiskalpläne wären rasch Makulatur. Das würde die Ratingagenturen auf den Plan rufen. Sie müssten die jüngsten Bonitätsverbesserungen korrigieren. Die Euro-Schuldenkrise wäre zurück und neue Schuldenschnitte drohten. Deflation zu verhindern heisst, diesen Teufelskreis zu vermeiden.