Meinungen

Denkfehler

Einschränkende Massnahmen sind kein Wirtschaftskiller. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Was der Bundesrat und die Kantonsregierungen in den letzten Wochen geleistet haben, ist peinlich.»

Wer einschneidende Massnahmen ergreift, der schadet der Wirtschaft und macht alles kaputt. Dieses Ammenmärchen hält sich in der Schweiz so hartnäckig wie wohl in keinem anderen Land. ­Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wer die Pandemie unter Kontrolle bringt –und das geht nur mit einschneidenden Massnahmen –, ­dessen Wirtschaftsmotor stottert deutlich weniger.

Beispiele gefällig? In Japan und Südkorea hat sich die Wirtschaft gut gehalten; einschneidenden Massnahmen sei Dank. Doch nicht nur in Asien hat die Strategie funktioniert. Neuseeland, Finnland und Dänemark haben es geschafft, dank gezielten Eingriffen kaum Todesfälle zu haben und die Wirtschaft gleichzeitig nur geringfügig zu belasten.

Die Schweizer Regierung hatte das Gefühl, sich irgendwie durchwursteln zu können. Nur niemandem wehtun, war die Devise. Was der Bundesrat und die Kantonsregierungen in den letzten Wochen geleistet haben, ist peinlich. «Wir können Corona» ist zum Bumerang geworden. Wir können Grossveranstaltungen mit 10’000 Zuschauern, wir können ohne Masken einkaufen und wir können wieder Skifahren, als ob nichts wäre. Weltweit als Insel dastehen, das können wir auch gut. Doch dieses Mal ging das so richtig schief.

Niemand will einen zweiten Lockdown. Doch die zögerliche Massnahmenpolitik macht zumindest einen Mini-Lockdown wahrscheinlicher. Deshalb geht es jetzt darum, sich nicht in Grabenkämpfen zu verzetteln, sondern zu handeln. In Frankreich oder Spanien gibt es gerade Anschauungsunterricht, wie lange es geht, bis Massnahmen greifen. Nur Disziplin und Entschlossenheit können jetzt noch dem Gesundheitssystem und auch der Wirtschaft helfen.

Leser-Kommentare

Oliver Schmid 27.10.2020 - 22:09

Sehe ich auch so. In einer Krise ist hartes durchgreifen gefragt, aber unsere Regierung handelt mutlos. Ja, niemand verärgern. Vielleicht hat man ja Glück, und es wird gar nicht so schlimm. Mit Prinzip Hoffnung löst man keine Probleme.