Ein Handelskrieg, eine drohende Eskalation im Nahen Osten und höhere US-Zinsen – es gäbe genug Gründe, um an der Fortsetzung des Aufschwungs zu zweifeln. Doch bis jetzt deutet nichts auf eine wesentliche Verschlechterung des globalen Wirtschaftsklimas hin.

Die Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Managers’ Index, PMI) der Industrie haben sich im April vielerorts gefestigt und befinden sich in allen westlichen Industrieländern auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Der globale, nach der Wirtschaftskraft der Länder gewichtete PMI hat sich gegenüber Vormonat sogar leicht von 53,3 auf 53,5 verbessert, nachdem sich das Expansionstempo in den Monaten zuvor verlangsamt hatte.

PMI geben an, in welche Richtung sich die Konjunktur entwickelt. Die Indizes werden über nationale Umfragen bei hunderten Industrieunternehmen ermittelt. Werte über 50 bedeuten eine Ausweitung der Industrieproduktion, Werte darunter eine Schrumpfung.

Ein gesamtwirtschaftlicher Produktionsrückgang, also eine Rezession, tritt in der Regel erst ein, wenn das Barometer deutlich unter 50 fällt. In den USA liegt die kritische Schwelle gemäss historischen Daten bei 43.

US-Wirtschaft in Hochform

Von solch niedrigen Werten sind die USA derzeit aber meilenweit entfernt. Zwar ist der sogenannte PMI Manufacturing des Institute for Supply Management im April von 59,3 auf 57,3 gefallen. Eine Verschlechterung auf diesem hohen Niveau ist aber kein Grund zur Sorge.

Schliesslich deuten ähnliche Branchenumfragen wie etwa jene von IHS Markit darauf hin, dass sich die Industriekonjunktur in den vergangenen Monaten sogar noch beschleunigt hat. Von einer unverändert guten Stimmung in der US-Wirtschaft zeugt auch das Konsumentenvertrauen, das sich auf dem höchsten Niveau seit Jahren befindet.

Wenn derzeit von einer Wachstumsverlangsamung die Rede sein kann, dann nur in Bezug auf Europa. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Eurozone ist gemäss Schätzung von Eurostat im ersten Quartal 0,4% gewachsen, nach einem Zuwachs von 0,7% im Vorquartal.

Der Industrie-PMI hat diese Entwicklung vorweggenommen. Seit Dezember ist das Barometer von rekordhohen 60,6 sukzessive auf 56,2 im April gesunken, den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Schweizer Industrie blüht

Das nachlassende Expansionstempo könnte der Anfang vom Ende des europäischen Höhenflugs bedeuten. Andererseits liegt es in der Natur der Sache, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht ewig beschleunigt. Optimistisch stimmt das gute Ergebnis der deutschen Einkaufsmanagerumfrage. Im Kontrast zum Ifo-Geschäftsklima, das sich im April nochmals eingetrübt hat, hat sich der PMI auf hohem Niveau von 58,1 halten können.

Weniger erfreulich sind die Umfragen aus Frankreich, Italien und Spanien. In allen drei Volkswirtschaften liegt das Industrie-Barometer nun unter 55. Die Zeichen stehen nach wie vor auf Wachstum, doch die kritische Grenze von 50 ist näher als die Boom-Zone über 60.

In diesen hohen Sphären bewegen sich derzeit nur noch der niederländische und der Schweizer Industrie-PMI. Letzterer ist im April auf 63,6 gestiegen. Die Lage in Asien präsentiert sich stabil.

In China notieren die PMI nach wie vor leicht über der Wachstumsgrenze, während Japans Industrie Fahrt aufnimmt. Mühe bekundet einzig das verarbeitende Gewerbe in Südkorea. In den anderen grossen Schwellenländern dagegen liegen die PMI über der Wachstumsschwelle von 50.