Märkte / Aktien

Der Bär vertreibt den Bullen

Der US-Aktienmarkt befindet sich in einem Bärenmarkt. Der Leitindex Dow Jones Industrial gibt am Mittwoch 5,9% nach und verliert gegenüber dem Rekordhoch vom 12. Februar mehr als 20%.

Der längste Bullenmarkt in der Geschichte der Wallstreet ist vorbei. Nach einem schwachen Handel am Mittwoch schliesst der US-Aktienmarkt gemessen am Leitindex Dow Jones (Dow Jones 21917.16 -1.84%) Industrial gegenüber dem Rekordhoch vom 12. Februar mehr als 20% im Minus. Damit erfüllt er die Bedingung eines Bärenmarktes.

Das Aus des Bullenmarktes ist keine Überraschung. Bereits am Montag stand er kurz vor dem Ende, konnte sich aber noch in den nächsten Handelstag retten. Das blieb ihm am Mittwoch verwehrt. Der Bullenmarkt, der am 9. März 2009 begonnen hatte, ist Geschichte. Eindrücklich am längsten Bullenmarkt ist aber nicht nur die Dauer – der Dow Jones Industrial hat sich in elf Jahren mehr als vervierfacht.

Noch nicht in einem Bärenmarkt befinden sich hingegen der marktbreite S&P 500 (SP500 2584.59 -1.6%) und der technologielastige Nasdaq Composite. Viel fehlt aber nicht mehr. Beide notieren 19% unter dem Höchst. Die Entwicklungen an den Futures-Märkten deuten aber darauf hin, dass die Schwelle zum Bärenmarkt am Donnerstag erreicht sein wird.

Der 11. März war ein schwarzer Tag an Wallstreet. Aktienkurse gaben auf breiter Front nach. Der S&P 500 verlor 4,9%, der Dow Jones Industrial 5,9% und der technologielastige Nasdaq Composite 4,7%.

Der Ausverkauf dürfte sich am Donnerstag fortsetzen. Nach Börsenschluss verhängte die US-Regierung das Einreiseverbot für Europäer, worauf die ausserhalb der USA gehandelten Index-Futures nochmals einbrachen. An den asiatischen Börsen ging es ebenfalls weiter abwärts. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 18065.41 -4.5%) notiert 4,4% tiefer als am Vortag.

Mit einem Minus von 6,4% kam der Russell 2000 noch stärker unter die Räder. Der Index für kleinkapitalisierte Unternehmen befindet sich schon seit mehreren Tagen im Bärenmarkt. Er notiert unterdessen 27% unter dem Höchst.

Besonders unter Druck geriet der Dow Jones Industrial wegen des Flugzeugbauers Boeing (BA 149.14 -2.06%). Das Schwergewicht des Leitindex verlor am Mittwoch 18%, nachdem es angekündigt hatte, wegen der negativen Folgen des Coronavirusausbruchs kein Personal mehr einzustellen und Überstunden einzuschränken.

Drastische Massnahmen an der Westküste

Der Grund für den allgemeinen Ausverkauf waren Meldungen über die Ausbreitung des Coronavirus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Mittwoch den Ausbruch des Virus als Pandemie deklariert. Zudem ist die Zahl der gemeldeten Fälle in den USA am Dienstag über 1000 gestiegen. Ein Fall wurde am Mittwoch in einem Hotel in Las Vegas registriert.

Unterdessen ergreifen auch die Regionen drastische Massnahmen. In Seattle wurden Veranstaltungen mit mehr als 250 Zuschauern verboten und in San Francisco solche mit mehr als 1000 Zuschauern. In New York wurde der Halbmarathon vom 15. März abgesagt, und Dutzende Privatschulen sowie diverse Universitäten wurden geschlossen.

Trump kann nicht liefern

Keine Unterstützung gab es aus Washington. Zum geplanten Stimulusprogramm von Präsident Donald Trump wurde am Dienstagabend zwar eine Medienkonferenz abgehalten. An Details mangelte es aber.

Geplant ist unter anderem eine Payroll Tax bis Ende Jahr. Dabei sollen die vom Gehalt abzuziehenden Sozialversicherungsbeiträge zeitweise reduziert oder ausgesetzt werden. Vertreter der Regierung wollten aber keine konkreten Zahlen nennen.

Leser-Kommentare

Paul Rothen 12.03.2020 - 07:37

Es ist erschreckend, dass ein Mann wie Trump je zum Präsidenten gewählt wurde. Hoffentlich korrigieren das die Wähler im November!