Märkte / Rohstoffe

Der Baltic Dry weckt falsche Hoffnungen

Der Einbruch des Frachtratenindex suggeriert, dass sich die Lage in der Versorgungskette entspannt. Der Rückgang gründet aber vor allem in der konjunkturellen Abkühlung Chinas.

Noch immer beschäftigen die Probleme in den globalen Versorgungsketten die Finanzmärkte, besonders jetzt, da im Detailhandel die umsatzstarke Weihnachtssaison beginnt. Kein Wunder, werden jegliche Signale einer Entspannung mit Wohlwollen aufgenommen – so etwa der jüngste Einbruch des Baltic Dry Index (BDI), der die Entwicklung der weltweiten Frachtraten abbildet.

Diese Schlussfolgerung ist freilich unzulässig. Denn der BDI umfasst lediglich die Tarife, die für den Transport von Massengütern wie Eisenerz, Kohle oder Getreide über die Weltmeere bezahlt werden müssen (vgl. Glossar) – und hat folglich nichts mit Containerfrachtern zu tun, über die die Verschiffung von Halb- und Fertigfabrikaten abgewickelt wird. Die Tarife im Containertransport haben sich jüngst zwar leicht abgeschwächt, bewegen sich aber – abzulesen am Harpex sowie am China Containerized Freight Index – immer noch auf sehr hohem Niveau.

Turbulenzen wegen Grossfrachtern

Verantwortlich für die starken Ausschläge im BDI war in den vergangenen Monaten vor allem das Indexsegment Capesize – Frachter, die mit einer Tragfähigkeit von rund 150’000 bis 200’000 Tonnen primär im Eisenerz- und Kohletransport von Brasilien und Australien nach China eine zentrale Rolle spielen. Sie werden als Capesize bezeichnet, da sie für das Passieren des Suez- und des Panamakanals zu mächtig sind und deshalb die Kaps umfahren müssen.

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