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Der Börsenschreck geht um

Die Zolldrohungen von Donald Trump haben die Rally nur unterbrochen. Trotzdem ist die Börsenlage fragil. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Wie immer finden Analysten gute Gründe, warum die Börsen nicht zu hoch bewertet sind.»

Der grosse Absturz an den Börsen ist nach den Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump ausgeblieben. Trotzdem sind Anleger gut beraten, den Handelskonflikt zwischen den USA und China genau zu beobachten. Er ist einer der wichtigsten Faktoren für die weitere Entwicklung an den Börsen – nicht nur in China, sondern auch für westliche Unternehmen, die eng in globale Wertschöpfungsketten eingegliedert sind.

Es weist einiges daraufhin, dass die seit Anfang Jahr laufende Börsenrally zu einem grossen Teil nur auf Hoffnungen ­basiert. Deswegen ist das aktuelle Kursniveau sehr anfällig für schlechte Nachrichten. Denn wie die Tweets des US-Präsidenten zeigen, ist kein Belastungsfaktor des Kurseinbruchs von vergangenem Jahr vom Tisch.

Grosse Vorsicht ist angebracht, da die schnell gestiegenen Börsenkurse dem mässigen Konjunkturverlauf weit enteilt sind. Für die Börsenrally hat es ausgereicht, dass der grosse Wachstumseinbruch ausgeblieben ist, dank dem chinesischen Stimulus und der zurückhaltenden amerikanischen Notenbank. Der Optimismus in Bezug auf den Handelskonflikt könnte verfehlt sein. Ausserdem könnte das Fed bei drohender Inflation neue Zinserhöhungen ins Spiel bringen, und China könnte der eigene Kreditstimulus unheimlich werden.

Wie immer finden Analysten gute Gründe, warum die Börsen trotz der Unsicherheit im Moment nicht zu hoch bewertet sind. Eine Nachricht wie diejenige, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA gemäss der New Yorker Distriktnotenbank mit 27% so hoch ist wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr, wird da gerne ausgeblendet.

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