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Der Chart des Tages

Noch lange nicht genug gelitten.

Markus Diem Meier

Am Wochenende haben die G-20-Länder in Moskau gegen den Willen von Deutschland den bisherigen Fokus von der Austerität – harten Sparmassnahmen trotz Krise – auf mehr Wachstum verlegt.

Die Länder der Europeripherie – Irland, Italien, Griechenland, Spanien und Portugal – standen bisher unter einem hohen Austeritätsdruck. Im ersten Jahrzehnt als Euromitglieder haben sie drastische Leistungsbilanzdefizite verzeichnet, befeuert durch tiefe Zinsen und den Euro, der sich gegenüber den Kernländern der Eurozone nicht aufwerten konnte. Damit einhergehende Übertreibungen im Privatsektor oder bei den Staatsausgaben im Fall von Griechenland haben die private und die öffentliche Verschuldung hochschnellen lassen, seit der Krise ab 2007/2008 und dem Abfluss des Kapitals wurde sie besonders drückend. Das Wachstum ist seither eingebrochen.

Das übliche Rezept für Länder in einer solchen Krise fehlt angesichts des gemeinsamen Geldes: Währungsabwertungen. Damit könnten die Länder sonst ihre Wettbewerbsposition wieder aufbessern und mehr exportieren. Jetzt bleibt nichts anderes als die sogenannte innere oder reale Abwertung: Die Löhne und die Preise müssen sinken. Wie die obige Grafik zu den Lohnstückkosten aus einem Researchbericht der Grossbank J.P. Morgan belegt, haben sich die aufgezeigten Krisenländer schon deutlich in diese Richtung entwickelt. Das Problem: Es reicht noch bei weitem nicht. Die Differenz zu Deutschland ist nach wie vor gross.

Es ist vor allem das ökonomische Leiden, das die Löhne und die Preise zum Sinken bringt, vor allem die Arbeitslosigkeit. Wie die Grafik unten aus demselben Researchbericht zeigt, haben die betroffenen Länder in kürzester Zeit Rekordwerte an diesem Leiden erreicht. Wenn der Lohn- und der Preiszerfall so weitergehen sollen, reicht das aber noch nicht. Wenn man sich auch noch vergegenwärtigt, dass tiefere Preise und Löhne die Last der vorhandenen hohen Verschuldung verschlimmern, dann wächst die Sorge um die politische Stabilität in diesen Ländern.

 Den Chart des Tages vom Freitag finden Sie hier.