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Der Chart des Tages

Kupfer und Aktien.

Peter Rohner

Kupfer

Wegen seiner hohen Prognosefähigkeit für den Verlauf der Weltwirtschaft hat Kupfer den Ruf eines smarten Wirtschaftsprofessors. Deshalb ist Kupfer das einzige Metall mit Doktortitel, und wird Dr. Copper genannt. Da die Weltkonjunktur auch die Aktienbörsen treibt, gleicht der Verlauf des Kupferpeises jenem des S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) sehr, wie die beiden Kurven in der Grafik über den Zeitraum 2008 bis 2011 zeigen. Seit 2012 gehen die beiden Linien jedoch getrennte Wege.

Was ist passiert? Wie werden sich die beiden Preise angleichen?

Seit 2012 findet an den Aktienbörsen eine Entkoppelung von den Fundamentals statt. Das heisst, die Kurse steigen, doch die Gewinne und die Aussichten auf bessere Gewinne verbessern sich nicht. Dr. Copper zeigt den Verlauf der realen Nachfrage, doch diese hat sich vor allem in China abgeschwächt und sorgt nun für tiefere BIP-Wachstumsraten global und in der Summe magere Unternehmensgewinne. Die Aktienmärkte sind aber liquiditätsgetrieben. Niedrige Zinsen machen Anleihen uninteressant, und Anleger werden in Aktien gedrängt, was deren Bewertung erhöht. Dieses Spiel kann noch lange weiter laufen, das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt heute im S&P 500 ca. 15. Ende der Neunziger war es lange über 20 und die Leute haben dennoch gekauft und die Kurse stiegen. Erst wenn die Blase platzt, kann Dr. Copper wieder auf seinen PhD verweisen.

Den Chart des Vortages finden Sie hier.