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Der Chart des Tages

Schuldenboom in Down Under.

Tina Haldner

Die Verschuldung der australischen Privathaushalte erreicht im internationalen Vergleich Spitzenwerte. Gemessen am verfügbaren Einkommen belaufen sich die Verpflichtungen auf knapp 190%. Zu Beginn des Jahrtausends lag die Schuldenquote noch bei rund 120% (dunkelblaue Kurve).

Zum Vergleich: In den USA beträgt die Quote 104% (gestrichelte Kurve) und in Grossbritannien 126% (blaue dünne Kurve). In beiden Ländern hat die Privatverschuldung nach der Finanzkrise abgenommen.

Nicht so in Australien. Das Land hat die Finanzkrise relativ glimpflich überstanden – die letzte Rezession liegt 26 Jahre zurück. Angefeuert von rekordniedrigen Zinsen haben die Australier Kredite aufgenommen, um unter anderem den Traum vom Eigenheim zu finanzieren. Die Auswüchse sind am Immobilienmarkt zu beobachten, wo die Häuserpreise insbesondere in den Städten auf Höchstwerte geklettert sind.

Nun mehren sich allerdings die Zweifel, ob die Schuldner ihre Verpflichtungen auch weiterhin stemmen können. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal so langsam gewachsen wie zuletzt im dritten Quartal 2009 (+1,7% im Jahresvergleich, annualisiert). Noch mehr Anlass zur Sorge gibt das Lohnwachstum, das einen historischen Tiefstwert erreicht hat (+1,9% gegenüber dem Vorjahr).

«In diesem Marktumfeld droht ein Rückgang der Immobilienpreise zum Problem zu werden», meint Christopher Woods, Anlagestratege vom Brokerhaus CLSA.

Vor einer Herausforderung steht auch die Reserve Bank of Australia (RBA), wenn sie dereinst die Zinsen erhöhen will. Rund 85% der ausstehenden Hypotheken werden variabel verzinst – steigen also die Zinsen, nimmt die Schuldenlast zu. Geraten die Hausbesitzer dann in Zahlungsschwierigkeiten, könnte das auch für den australischen Bankensektor ungemütlich werden: 63% der ausstehenden Darlehen sind Hypothekarkredite.