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Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Andreas Neinhaus
Weit weg vom normalen Inflationspfad.

Diese Woche dreht sich in Europa alles um ein Phänomen, das nicht existiert. Am Dienstag wird die Inflationsrate in der Eurozone veröffentlicht. Bereits vorab steht fest, dass der Juniwert weit Weg vom Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) geblieben ist. Das nimmt den Notenbankern ein wichtiges Argument, das sie zwei Tage später eigentlich dringend brauchen. Denn am Donnerstag tagt der EZB-Rat: Er muss dann über den Ablauf der bereits in Aussicht gestellten geldpolitischen Straffung entscheiden.

Vor allem muss er Argumente dafür finden, warum es notwendig ist, die Geldpolitik zu ändern. Denn an den Preisen kann es nicht liegen. Sie verlaufen flach, obwohl die Konjunktur gedreht hat.

Der Chart führt die sogenannte Superkernrate der Inflation im Euroraum auf. Es handelt sich um die Teuerung ohne Energiepreise, Nahrungsmittel und Pauschalreisen, also um den Kern, der ausschliesslich auf konjunkturelle Signale reagiert. Das hellblaue Band stellt die Schätzungen für die Unterauslastung der Wirtschaft dar (Produktionslücke resp. Output Gap).

Normalerweise zieht die Inflation an, sobald die Auslastung steigt. Die EZB muss dann ihre Geldpolitik allmählich straffen, damit die Inflationsrate nicht das mittelfristige Ziel von «knapp unter 2%» übersteigt.

Diesmal ist alles anders. Die Produktionslücke wird geringer, aber an den Preisen lässt sich das nicht ablesen. Der EZB-Rat steht vor einer schwierigen Aufgabe: Er muss Gründe für die geldpolitische Wende eruieren, die nichts mit der Inflation zu tun haben. Obwohl sie doch das einzige Ziel ist, an dem sich die Zentralbank ausrichten sollte.