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Der Chart des Tages

Die Börsenhausse hat ein Problem: US-Aktien.

Peter Rohner

Gemessen am globalen Aktienindex von MSCI ist dieser Bull-Markt der zweitlängste seit 1970. 222% sind die Weltbörsen seit März 2009 gestiegen.

Doch die Aktienkurse sind schneller gestiegen als die Gewinne der Unternehmen. Die Bewertungen haben dadurch deutlich zugenommen.

Wie teuer Aktien unterdessen sind, lässt sich am besten am zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ablesen, auch bekannt als Shiller-KGV. Bei diesem vom Yale-Professor Robert Shiller vorgeschlagenen Bewertungsmass werden die Kurse durch die durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinne der vorausgegangenen zehn Jahre geteilt. So wird der ganze Konjunkturzyklus erfasst.

In den USA ist das Shiller-KGV auf über 30 gestiegen (vgl. dunkelblaue Linie). So teuer war der US-Aktienmarkt nur zwei Mal in den letzten 150 Jahren: während der Spekulationsblase Ende der Zwanzigerjahre und in der Tech-Euphorie um die Jahrtausendwende.

Beide Male endete die Party in einem Scherbenhaufen: 1930 begann die Grosse Depression; die Baisse nach 2000 und die zu lockere Geldpolitik danach bereiteten das Feld für die Finanzkrise 2008 vor.

Doch gleichzeitig scheint es diesseits des Atlantiks keine breitflächige Übertreibung an den Börsen zu geben. Für Europa (hellblau) liegt das Shiller-KGV gemäss der britischen Grossbank Barclays (BARC 148.76 -2.68%) mit 17,5 weit unter dem Spitzenwert. In Europa braucht man sich wegen der Bewertung also keine Sorgen zu machen.

Das Problem dabei ist, dass die europäischen Börsen kein Eigenleben führen. In den vergangenen fünfzig Jahren hat der Dax (DAX 13'787.73 -1.44%) nach einem Einbruch im S&P 500 (S&P 500 3'762.30 -0.76%) in der Regel ebenfalls mit heftigen Abgaben reagiert. «Wenn die US-Börse in eine Baisse übergeht, wird sich Europa nicht oben halten können», folgern die Barclays-Analysten.