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Der Chart des Tages

Die USA und die Schweiz tun am wenigsten gegen die Ungleichheit.

Peter Rohner

Experten sind sich einig: Trumps Steuerreform macht das US-Steuersystem noch regressiver. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter.

Schon ohne die Reform zeigten sich die USA besonders zurückhaltend darin, über Steuern und Ausgaben die soziale Ungleichheit im Lande zu reduzieren. Das belegt die Grafik der US-Denkfabrik Peterson Institute for International Economics.

Darin sind die von der OECD geschätzten Gini-Koeffizienten der Industriestaaten abgetragen und in Komponenten zerlegt.

Der Gini-Koeffizient ist ein Mass für die Einkommensverteilung: Ein Wert von 1 bedeutet die höchstmögliche Ungleichheit, bei der das gesamte Einkommen auf eine einzige Person fällt. Ein Koeffizient von null bedeutet, dass alle gleich viel verdienen.

Die Gesamthöhe der Säulen stellt den ursprünglichen Gini-Koeffizienten dar, der aus der Verteilung der Lohn- und Kapitaleinkommen resultiert.

Die blaue Säule zeigt die effektive Ungleichheit nach der staatlichen Umverteilung. Grün (Steuern) und Rot (Zahlungen über Sozialtransfers) geben wieder, um wie viel Steuern und Subventionen den Gini-Koeffizienten reduzieren.

In den USA sinkt der Gini-Koeffizient durch staatliche Umverteilung um 22% von 0,51 auf 0,39. So gering ist die Reduktion sonst nirgends. Deshalb erreicht die Ungleichheit in den USA einen Spitzenwert und ist damit grösser als in Ländern wie Irland, Portugal oder Grossbritannien, wo die ursprüngliche Lohnungleichheit ausgeprägter ist (vgl. Gesamthöhe der Balken).

An zweiter Stelle folgt die Schweiz. Durch die hiesige Steuergesetzgebung sinkt der Gini-Koeffizient ebenfalls nur wenig, und zwar um 24%.

Im Unterschied zu den USA ist aber die ursprüngliche Einkommensverteilung vor Steuern und Subventionen weniger ungleich. Darum befindet sich die Schweiz in puncto Ungleichheit im OECD-Mittel.

Die Nachbarländer Frankreich und Deutschland haben vor Steuern und Subventionen beide eine ähnliche Ungleichheit wie die USA und eine höhere Ungleichheit als die Eidgenossenschaft. Doch durch Steuern und Sozialausgaben fällt die effektive Einkommensungleichheit leicht geringer aus als in der Schweiz.

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