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Der Chart des Tages

Das Jahr, als uns die Computer schlugen.

Alexander Trentin

Wird 2017 als das Jahr in die Geschichte eingehen, als uns die Computer geschlagen haben? Das legen die obigen Grafiken nahe. Sie zeigen die Fehlerrate von Systemen der künstlichen Intelligenz (KI) bei der Klassifizierung von Bildern und dem Verständnis menschlicher Sprache. Die neuesten Systeme machten dieses Jahr in beiden Domänen deutlich weniger Fehler als Menschen.

Schon längst haben sich Sprach- und Bilderkennung als reif für den Alltag gezeigt. So sind Siri, Alexa und Google (GOOGL 1213.08 1.38%) Voice persönliche Assistenten, die menschliche Sprache verstehen. Die Produkte von Apple (AAPL 191.45 0.28%), Amazon (AMZN 1843.93 1.18%) und Google basieren auf neuronalen Netzen, die im Prinzip das menschliche Gehirn nachahmen. Dadurch kann die KI aus vielen Beispielen Muster erkennen.

Der Programmierer muss also nicht eine komplexe Logik finden, mit der Bilder und Sprache klassifiziert werden können. Er muss nur möglichst viele Beispiele dem Computer zeigen, der dann daraus selbst lernt.

Exzellentes Leseverständnis

Auch beim Leseverständnis zeigen sich gemäss einem standardisierten Test deutliche Fortschritte. Dabei muss ein Programm Fragen zu einem Text beantworten. Hat ein System 10’000 Trainingsbeispiele, kann es nun fast 100% der Fragen richtig beantworten und hat damit die Marke des «exzellenten Leseverständnisses» überschritten. Bei 1000 Beispielen sind es nun schon immerhin über 90%.

Bei Systemen, in denen es weniger Unsicherheiten gibt als bei Bildern und Sprache, haben Computer uns schon lange überholt. Schachprogramme sind seit mehr als zehn Jahren von Menschen nicht mehr zu schlagen. Und sie haben sich seitdem immer noch weiter entwickelt.

Selbstlernendes System schlägt Spezial-Algorithmus

Der beste Schach-Algorithmus, Stockfish, wurde übrigens Anfang Dezember sensationell geschlagen. Und zwar nicht von einem auf Schach spezialisierten Programm. Der künstlichen Intelligenz AlphaZero, entwickelt von Google, wurden nur die Regeln des Spiels beigebracht. Danach bekam das neuronale Netz keinen weiteren menschlichen Input. Es erhielt nur vier Stunden Zeit, gegen sich selbst zu spielen. AlphaZero hat sich so selbst beigebracht, wie man am besten gewinnt.

Wird es so weitergehen, werden selbstlernende Systeme auch im nächsten Jahr für Schlagzeilen sorgen.

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