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Der Chart des Tages

Der europäische Arbeitsmarkt ist besser als sein Ruf.

Peter Rohner

Die Weltkonjunktur brummt. Auch in der Eurozone werden viele neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote ist seit 2013 von 12 auf 8,7% gefallen, den niedrigsten Stand seit neun Jahren.

Doch im Vergleich zu den USA ist die Arbeitslosigkeit in der Währungsunion immer noch ein Problem. Jenseits des Atlantiks ist die offizielle Arbeitslosenrate mit 4,1% weniger als halb so hoch wie in der Eurozone.

Gründe gibt es viele: Zum einen ist Südeuropa noch nicht lange auf Erholungskurs, zum anderen ist die Sockelarbeitslosigkeit wegen der geringeren Flexibilität und Mobilität in Europa höher. Dieser Sockel ist die Arbeitslosigkeit, die auch bei Hochkonjunktur nicht verschwindet.

Doch der Eindruck täuscht. Die Arbeitslosenrate ist nur ein Mass zum Stand des Arbeitsmarktes. Sie misst die Zahl derer, die arbeiten wollen und können, aber keine Stelle finden. Sie beziffert also den Anteil der registrierten Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung (Labour Force).

Ebenso wichtig wie die Arbeitslosenquote ist die Erwerbsquote (Participation Rate). Sie misst den Anteil der Menschen in der Bevölkerung, die arbeiten oder sich auf Arbeitssuche befinden.

Sie ist in der Eurozone viel höher als in den USA (vgl. Grafik). Über 73% der Bevölkerung im Euroraum nehmen am Erwerbsleben teil oder suchen aktiv eine Beschäftigung. In den USA sind es nur 62,7%. Seit der Jahrtausendwende ist die Erwerbsquote gefallen, denn viele haben nach der Rezession die Suche nach einer Stelle aufgegeben.

Ganz anders in der Eurozone: Dort ist die Erwerbsquote vor allem dank der besseren Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt deutlich gestiegen. In der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen hat sie sich in zehn Jahren um 20 Prozentpunkte erhöht.

Würden in den USA gleich viele Leute am Erwerbsleben teilnehmen wie in der Eurozone, läge auch dort die Arbeitslosenrate höher. Umgekehrt wäre die Arbeitslosenquote in der Eurozone viel niedriger, wenn die Erwerbsquote auf dem Stand von 2000 geblieben wäre.

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