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Der Chart des Tages

Steiler, immer steiler!

Andreas Neinhaus

Die schweren Kursverluste an den Aktienmärkten wurden durch höhere Zinserwartungen ausgelöst. Denn in den USA könnte die Inflation künftig kräftiger steigen, und in Europa drosselt die Europäische Zentralbank ihre Wertschriftenkäufe. An den Märkten wird inzwischen mit einer ersten Zinserhöhung der EZB im Frühjahr 2019 gerechnet. Damit öffnet sich auch für die Schweizerische Nationalbank allmählich der Weg für einen Ausstieg aus der Minuszinspolitik.

Vorerst halten die Zentralbanken in Frankfurt und Zürich allerdings am gegenwärtigen Leitzinsniveau fest. Das zeigt sich am Zinsmarkt: Die kurzfristigen Sätze sind in den vergangenen Wochen stabil geblieben. Gestiegen sind hingegen die Marktzinsen mit längeren Laufzeiten.

In der Schweiz lag der Kassazins für zehnjährige Bundesobligationen der Eidgenossenschaft am ersten Handelstag 2018 noch knapp im Minus. Inzwischen beträgt die Rendite 0,21%. «Eidgenossen» mit längeren Laufzeiten verhielten sich entsprechend. Auch deutsche Zehnjährige sind inzwischen deutlich höher verzinst als Anfang Januar. Im Gegensatz zur Schweiz haben sich dort die ultralangen Laufzeiten kaum nach oben bewegt.

Insgesamt sind die Zinskurven – also der Vergleich der Zinssätze über alle Laufzeiten hinweg – in Kerneuropa deutlich steiler geworden. Denn sie reagieren am empfindlichsten, wenn Anleger ihre Inflationserwartungen ändern, ihre Portfolios umschichten und wenn die EZB weniger Staatsanleihen aufkauft.

Solange die Notenbanken ihre Zinspolitik nicht neu ausrichten, wird sich daran auch so bald nichts ändern.

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