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Der Chart des Tages

Warum die Kerninflation nicht zunimmt.

Andreas Neinhaus

Diese Woche ist der Blick der Anleger nach Frankfurt gerichtet. Die EZB entscheidet am Donnerstag über die weitere Geldpolitik. Viele Experten sind der Meinung, es sei an der Zeit, dass die Behörde etwas konkreter über das Ende der Wertschriftenkäufe informiert. Wie weit sie in diesem Punkt geht, ist allerdings offen.

Dreh- und Angelpunkt bleiben die Inflationserwartungen. Steigt die Teuerung nicht, nimmt der Markt der EZB nicht ab, dass sie ihren Kurs normalisiert. Und ausgerechnet die jüngsten Inflationszahlen sind schwach ausgefallen.

Der Chart zeigt, woran es gegenwärtig in Europa immer noch hapert. Aufgeführt ist die sogenannte Super-Core Inflation, ein von der EZB intern verwendeter Indikator. Er umfasst diejenigen Güter und Dienstleistungen im Inflationsindex, die deutlich reagieren, wenn die Kapazitätsauslastung (die gesamtwirtschaftliche Produktionslücke) sich verändert. Es ist also ein Inflationsindex, der überdurchschnittlich gut mit der Konjunkturentwicklung korreliert. Konkret umfasst er die Kernrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex, aus der zusätzlich u.a. noch Steuern und Pauschalreisen entfernt werden.

2017 ist dieser Indikator über 1% gestiegen, woraus die EZB ableitet, dass die Konjunkturerholung in Europa tatsächlich zu höheren Konsumentenpreisen führt. Bislang funktioniert das aber nur in Deutschland (hellblaue Balken). Dort befindet sich die Teuerung bereits nahe dem Maximum der vorangegangenen achtzehn Jahre. Der Chart führt die Beiträge der Mitgliedländer an der euroweiten Super-Kerninflation auf (in Prozentpunkten).

Damit die Euroinflation weiter steigt, kommt es nun auf den Teuerungsschub in den anderen Mitgliedländern an, vor allem in Italien und Frankreich. Dort ist die Super-Kerninflation allerdings verhalten. Solange in diesen Ländern die Konjunktur nicht deutlich an Fahrt gewinnt, droht daher die Rechnung der EZB nicht aufzugehen.

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