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Der Chart des Tages

Protektionismus kehrt zurück.

Frank Heiniger

Was bereits bei der Wahl von Donald Trump befürchtet worden war, wird immer mehr zur Realität: Mit der Einführung neuer Strafzölle stellt der US-Präsident seine protektionistische Politagenda unter Beweis – und erhöht damit das Risiko eines globalen Handelskrieges.

Zwar sind die direkten Auswirkungen vorerst zu verkraften. So tangieren die Abgaben auf Stahl- und Aluminiumimporte laut Goldman Sachs bloss 1,8% des gesamten US-Einfuhrvolumens. Dennoch liefern die Massnahmen ein weiteres Indiz, dass das Pendel zurzeit weltweit wieder in Richtung verstärkter Handelshemmnisse schwingt.

Mit den neusten Abgaben dürften sich die durchschnittlichen US-Tarife – berechnet als Anteil der Zolleinnahmen am gesamten Einfuhrvolumen – von zurzeit rund 1,5% um rund 0,3 Prozentpunkte erhöhen. Das steht in Kontrast zur langfristigen Entwicklung, die über die letzten Jahrzehnte von einer fast stetigen Reduktion geprägt war.

Das illustriert der obige Chart von Goldman Sachs: Von der Unabhängigkeitserklärung 1776 bis zum Ersten Weltkrieg markierten die Importzölle zeitweise ein Niveau von über 50% – und trugen so temporär bis zu 95% zum US-Staatseinkommen bei.

Erst mit der Einführung der Einkommenssteuer auf Bundesebene 1913 nahm die Abhängigkeit der USA von Importzöllen ab. Speziell nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Tarife deutlich gesenkt – zum einen, weil 1945 praktisch alle Handelspartner in Trümmern lagen, zum anderen durch das Vorantreiben diverser Freihandelsabkommen.

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