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Der Chart des Tages

Die Weltwirtschaft läuft schlechter als erwartet.

Alexander Trentin

Ein globaler Aufschwung? Das war vor wenigen Wochen noch die einhellige Meinung der Ökonomen. Nun scheint die Weltwirtschaft die optimistischen Vorhersagen der Experten zu verfehlen. Das zeigt der Citi Economic Surprise Index. Er misst, wie sich die tatsächlichen Konjunkturzahlen gegenüber den Erwartungen verhalten.

Seit dem 6. April notiert der Index für die Weltkonjunktur (schwarze Linie) im negativen Bereich. Eine Region läuft besonders schlecht: Der Überraschungsindex für die Eurozone (rote Linie) ist schon Mitte Februar ins Minus gerutscht und ist der Hauptgrund, dass die Daten nun weltweit enttäuschen. Der Eurozoneindex notiert so tief wie zuletzt während der Eurokrise im Jahr 2011.

In den USA wie auch in den Schwellenländern fallen die tatsächlichen Daten zwar immer noch besser aus, als Analysten erwartet hatten. Aber auch hier zeigt das Momentum nach unten.

Frederic Neumann, Chefökonom von HSBC (HSBA 696.7 -0.98%) für Asien, erkennt im Fernen Osten erste enttäuschende Konjunkturdaten. In einer Studie schreibt er aber: «Es ist wichtig, nicht zu viel in die letzten Zahlen hineinzulesen.» Es sei noch verfrüht, von einem «synchronisierten globalen Stolpern» statt wie kürzlich von Aufschwung zu reden.

Manche Indikatoren – beispielsweise Daten aus dem Elektroniksektor – zeigen gemäss Neumann einen besorgniserregenden Trend. Aber insgesamt sei die Wirtschaftsaktivität robust. Und die Notenbanken würden mit ihrer weiterhin lockeren Geldpolitik die Konjunktur stützen.

Die Politik und nicht harte Daten würden die Stimmung beeinflussen. Man müsse nun abwarten, wie sich der Streit über Zölle und die politische Unsicherheit auf die Wirtschaftsdaten auswirkten. «Die nächsten Monate versprechen ereignisreich zu werden», resümiert Neumann.

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