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Der Chart des Tages

Die Kluft zwischen den USA und Europa wächst.

Tina Haldner

Wer in zehnjährige amerikanische Staatsanleihen investiert, erhält derzeit eine Rendite von knapp über 3%. Dagegen werfen die vergleichbaren Papiere aus Deutschland lediglich 0,6% ab. Das ergibt eine Renditedifferenz (Spread) von rund 2,4 Prozentpunkten (Pp).

Noch etwas höher kletterte der Spread vergangene Woche, nämlich auf 2,45 Pp. Damit notierte er auf einem Rekordniveau: Grösser war der Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Renditen zuletzt vor fast dreissig Jahren, im April 1989.

Die Kluft zwischen den Renditen spiegelt gemäss Marktbeobachtern die unterschiedlichen Konjunkturaussichten für die Vereinigten Staaten und die Eurozone.

So zeigte sich Loretta Mester, Präsidentin der Distriktnotenbank Cleveland, jüngst zuversichtlich mit Blick auf die weitere Wirtschafts- und Inflationsentwicklung in den USA. Das habe die zehnjährigen Renditen erneut über die Schwelle von 3% geschoben, meinen die Analysten von Unicredit.

Bleibt das Konjunkturumfeld freundlich, will die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen im laufenden Jahr noch zweimal erhöhen, für 2019 stellt sie drei Zinserhöhungen in Aussicht. Die bislang erfolgreiche Umsetzung des geldpolitischen Fahrplans erhöht den Aufwärtsdruck auf die amerikanischen Marktzinsen.

Zudem steigt mit der wachsenden US-Staatsverschuldung – ein Resultat der Steuerkürzungen im Umfang von 1,5 Bio. $ – der Finanzbedarf. Das voraussichtlich steigende Angebot an Treasuries dürfte die Renditen ebenfalls nach oben treiben.

Von einer Zinserhöhung ist die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen noch weit entfernt. Aktuelle Wirtschaftsdaten sind enttäuschend ausgefallen und signalisieren eine Abkühlung der Erholung im Euroraum. So ist das deutsche Bruttoinlandprodukt im ersten Quartal kaum gewachsen (+0,3% gegenüber der Vorjahresperiode).

Bestätigen sich die Wachstumstrends, dürfte sich die Schere zwischen amerikanischen und deutschen Renditen in den folgenden Monaten weiter ausweiten.

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