Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Finnland hängt plötzlich von einer Bank ab.

Andreas Neinhaus

In diesen Tagen ist viel von der Unzufriedenheit mit der Politik in der Eurozone die Rede. Italien liebäugelt gar mit dem Austritt aus der Währungsunion, in der Illusion, dass sich ausserhalb der Währungsunion tiefere Steuern und mehr Wachstum realisieren lassen. Wie falsch diese Überzeugung ist, spielt sich gerade vor unseren Augen in Nordeuropa ab.

Steuererhöhungen der Mitte-links-Regierung im Nicht-Euro-Land Schweden haben die Grossbank Nordea (NDA SE 57.18 0.04%) dazu bewogen, ihre Zelte in Stockholm abzubrechen. Sie wird ihren Hauptsitz in die Eurozone verlegen, wo sie die Rahmenbedingungen offensichtlich besser beurteilt.

Voraussichtlich ab Oktober wird Nordea ihren Hauptsitz in Helsinki eröffnen. Finnland ist Teil der Bankenunion, was bedeutet, dass Nordea nicht mehr von einer nationalen Aufsichtsbehörde überwacht wird, sondern direkt von der Europäischen Zentralbank. Auch das wird von den Bankern als Vorteil beurteilt.

Einzig Finnlands Notenbank kann sich über diesen Imageerfolg nicht unbeschränkt freuen. Der Staat wird zwar bald deutlich mehr Steuern kassieren, aber die Notenbanker fürchten, dass das Land zu abhängig vom Bankenrisiko werden könnte. Wie der Chart zeigt, wird sich das Gewicht des Bankensektors durch den Nordea-Zuzug mehr als verdoppeln. Gemessen an der eigenen Wirtschaftskraft (Bruttoinlandprodukt) rückt das kleine Land im Norden damit zum viertgrössten Bankenplatz in der EU auf.

Die konsolidierte Bilanzsumme inländischer Banken in Finnland steigt von 90 auf etwa 370% des BIP (Chart: blaue Balken). Die Konzentration im Sektor nimmt entsprechend zu. Finnland werde dadurch stärker gegenüber nordeuropäischen Risiken exponiert, schreibt die Notenbank in einer Studie. In erster Linie sei dies gegenwärtig das Risiko, dass die Immobilienblase in Schweden platze.

Finnlands Notenbank appelliert deshalb, dass endlich mit der einheitlichen europäischen Einlagensicherung Ernst gemacht werde. Es ist eine der letzten fehlenden Säulen der europäischen Bankenunion. Damit soll verhindert werden, dass Bankkonkurse die finanziellen Kapazitäten eines einzelnen Staates übersteigen, er daraufhin ins Straucheln gerät und der Schock allenfalls andere Länder erfasst.

Deutschland hat bisher alle Pläne einer Vereinheitlichung der Haftung blockiert. Berlin blickte dabei stets nach Süden, man sei nicht bereit, die dortigen Altlasten zu garantieren. Vielleicht kommt nun ein spätes Einsehen, wenn klar wird, dass Gefahren für die Finanzstabilität im Euroland auch aus dem Norden drohen.

Leser-Kommentare