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Der Chart des Tages

Vertrauenskrise in Italien.

Tina Haldner

Die Italiener trauen der eigenen Regierung nicht über den Weg: Nur 30% der Bevölkerung haben Vertrauen in die politische Führung, zeigt eine Erhebung der OECD (vgl. roter Balken). Damit zählt Italien verglichen mit anderen Industrienationen zu den Schlusslichtern. Noch grösser ist das Misstrauen lediglich in Frankreich, Portugal, Spanien und Griechenland.

Am anderen Ende der Skala findet sich die Schweiz, wo rund 75% der Bevölkerung der Regierung ihr Vertrauen aussprechen. Dahinter folgen Norwegen und Luxemburg.

Ob die neue italienische Regierung, die am Freitag vereidigt worden ist, die Zuversicht der Bevölkerung stärken kann, ist fraglich: Die Differenzen zwischen den Koalitionspartnern Lega und Cinque Stelle sind gross, die Mehrheit im Parlament ist klein. Mit ihrem Programm – unter anderem hat sie Steuerkürzungen und die Senkung des Pensionsalters versprochen – geht die Regierung auf Kollisionskurs zur EU.

Das Kabinett um Premierminister Giuseppe Conte muss noch ein Misstrauensvotum im Parlament überstehen, das spätestens morgen Mittwoch über die Bühne gehen dürfte und das es voraussichtlich gewinnen wird. Dann beginnt die richtige Arbeit – und damit die Bewährungsprobe.

Die Koalition werde sich schwertun, ihre Versprechen einzulösen, meinen die Analysten von Société Générale. «Die politische Instabilität wird sich fortsetzen. Möglicherweise stehen bereits zur Jahreswende Neuwahlen an», so die Strategen.

Am europäischen Bondmarkt bleibt die Wachsamkeit erhöht: Die Renditeaufschläge (Spreads) zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bunds liegen am Dienstag bei knapp 2,2 Prozentpunkten (Pp). Das ist zwar deutlich niedriger als vergangene Woche, als die Spreads auf fast 2,9 Pp geklettert sind. Vor dem Regierungschaos bewegten sie sich jedoch um 1,4 Pp.

Leser-Kommentare

Jörg Keller 05.06.2018 - 13:26
Erstaunlich an der Umfrage ist doch,…dass in Italien überhaupt jemand Vertrauen in die Regierung haben sollen. Da müssen schon ziemlich viel leichtgläubige Leute befragt worden sein. Ähnlich ist das zumindest in GR zu sehen. Ebenso erstaunt, dass die Franzosen ihrer Regierung noch weniger trauen sollen als die Italiener… Auch wenn von der OECD publiziert, Hintergründe und Eckdaten einer solchen Befragung… Weiterlesen »