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Der Chart des Tages

Zinsen sind wieder die besseren Dividenden – zumindest in den USA.

Peter Rohner

Vergangene Woche hat die US-Notenbank Fed zum siebten Mal seit 2015 das Zielband des Leitzinses leicht erhöht. Es reicht nun von 1,75 bis 2%. Dadurch hat sich das gesamte Zinsniveau im Dollarraum nochmals angehoben.

Jetzt liegt zum ersten Mal seit 2008 die gesamte US-Zinskurve über der Dividendenrendite des US-Aktienmarktes. Die Dividendenrendite – kalkuliert als Ausschüttungen der S&P-500-Unternehmen über die vergangenen zwölf Monate geteilt durch den aktuellen Kurs – beträgt derzeit 1,9%.

Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen haben die Dividendenrendite schon Ende 2016 und zuvor bereits einmal während des Taper Tantrum 2013 überwunden (vgl. graue Punkte in der obigen Grafik). Beim Taper Tantrum kam es wegen der Sorge zu Marktturbulenzen, dass die US-Notenbank ihre Anleihenkäufe vorzeitig zurückfahren wird (Tapering). 2017 kletterten die fünf- und sogar die zweijährigen US-Anleihenrenditen über die Dividendenrendite.

Wie die violette Kurve in der obigen Grafik zeigt, ist nach dem jüngsten Zinsschritt selbst der Einmonatszins über 2% gestiegen. Damit wirft sogar der US-Geldmarkt einen höheren Ertrag ab als der Aktienmarkt.

Die Zeiten, in denen Aktien wegen der Dividende als Ersatz für Zinsinstrumente gekauft werden, sind damit endgültig passé. Die Entwicklung könnte zu einer Umschichtung von Aktien zurück in festverzinsliche Titel führen. Das könnte die Aktienkurse belasten. Im Umkehrschluss sorgen tiefere Kurse für eine höhere Dividendenrendite.