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Der Chart des Tages

Die US-Zinskurve droht zu kippen.

Peter Rohner

Die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen ist ein wichtiger Orientierungspunkt für die Finanzmärkte. Liegen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen über dem Kurzfristzins, spricht man von einer steigenden Zinskurve. Sie gilt als normal, weil a) für eine längere Kapitalbindung eine höhere Entschädigung verlangt wird und b) niemand weiss, wie hoch das Zinsniveau in der Zukunft sein wird.

Umgekehrt spricht man von einer Anomalie, wenn die Zinskurve invers ist, das heisst, wenn der Kurzfristzins über dem Langfristzins liegt. Eine solche verkehrte Zinskurve signalisiert, dass die Markteilnehmer den baldigen Höhepunkt des Konjunkturzyklus bereits vorwegnehmen und einen Rückgang der Zinsen erwarten. Eine inverse Zinskurve ist deswegen ein früher Indikator für einen Abschwung.

Vor jeder der neun US-Rezessionen seit 1955 kippte die Zinskurve kurz davor. Nur einmal schlug die Zinsstrukturkurve Fehlalarm.

Deshalb sind immer mehr Investoren beunruhigt, wenn sie auf die US-Zinskurve schauen. Wie die blaue Kurve in der obigen Grafik zeigt, hat sich der Renditeabstand zwischen zehn- und zweijährigen Treasuries dieses Jahr nochmals verringert und beträgt noch knapp 0,15 Prozentpunkte (15 Basispunkte).

Und gemäss den Terminkursen erwarten die Marktteilnehmer, dass die Zinsdifferenz nächstes Jahr negativ wird. Denn die Differenz der Jahres-Forwards (1y fwd) in gelber Farbe ist unter null. Damit wäre die inverse Zinskurve perfekt und eine US-Rezession 2020 eine reelle Gefahr.