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Der Chart des Tages

Erfolgreich gegen ETF-Anleger wetten.

Alexander Trentin

Man nennt sie Contrarians – Anleger, die nicht von der Weisheit der Masse überzeugt sind. Sie glauben, dass es einen Vorteil bringt, wenn man auf unbeliebte Aktien oder Anlageklassen setzt – und beliebte Titel meidet. Damit liegen sie richtig, zeigen Analysten der Deutschen Bank, wenn man es auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) anwendet.

Die Idee dahinter ist, dass Anleger in passive Indexprodukte auf Bewegungen des Marktes reagieren und nicht auf Informationen bezüglich eines bestimmten Unternehmens. Die Autoren der DB-Studie nennen das «informationslosen» Handel: Wer ETF hält, würde etwa Aktien automatisch kaufen, weil sie in einen neuen Index aufgenommen werden. Ändern sich die Geschäftsaussichten für das spezifische Unternehmen nicht, sollte der Kurseffekt durch solch einen Kauf in Zukunft verschwinden.

Der obige Chart zeigt die Anwendung solch einer Anti-ETF-Strategie. Fliesst in einem Monat besonders wenig Geld von ETF-Investoren in eine Aktie, sollte man sie kaufen. Das ist die blaue Kurve: Ab Anfang 2006 bis Ende 2017 konnte man so sein anfängliches Kapital mehr als verdreifachen. Setzte man dagegen als Momentum-Anleger auf hohe Zuflüsse aus ETF (orange Kurve), machte man gerade einmal 40% Gewinn. Die grüne Kurve zeigt eine Strategie, bei der man Titel mit grossen ETF-Zuflüssen kauft und Aktien mit geringen Zuflüssen «short» geht – also Leerpositionen aufbaut. Seit dem Börsentief im März 2009 ist die Performance-Schere weit aufgegangen.

Die Idee dahinter erinnert an eine Studie des Finanzprofessors Francesco Franzoni an der Universität Lugano. Er glaubt, dass ETF-Investoren durch den Anlagefokus auf Indizes zusätzliche Volatilität in die Finanzmärkte bringen.