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Der Chart des Tages

Warum US-Sanktionen für die Türkei so gefährlich sind.

Alexander Trentin

Ein Streit mit den USA hat die türkische Währung stark unter Druck gebracht. Nach dem Iran ist die Türkei das neueste Opfer von Sanktionen der USA. Deren Präsident Donald Trump hat Anfang August die Vermögenswerte zweier türkischer Minister in den USA einfrieren lassen.

Grund ist die Forderung der USA, einen amerikanischen Pfarrer aus der Haft in der Türkei zu entlassen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnt dies ab und hat mit Gegensanktionen geantwortet.

Seit der Einführung der US-Sanktionen hat sich die Lira gegenüber dem Dollar über 16% abgewertet. Der Marktzins der zweijährigen türkischen Lira-Anleihen ist von 20,8 auf 22,8% gestiegen. Gemäss den Prämien von Kreditausfallversicherungen wird das Ausfallrisiko der Auslandsschulden des Staates so hoch eingeschätzt wie zuletzt in der globalen Finanzkrise 2009.

Doch warum reagieren die Finanzmärkte so empfindlich auf die amerikanischen Sanktionen? Die obige Grafik bietet dafür ein Indiz. Sie zeigt, in welchen Ländern die Gläubiger türkischer Auslandschulden und Besitzer türkischer Aktien angesiedelt sind. Über ein Drittel der türkischen Wertpapiere im Ausland liegen demnach in den USA (auf Platz zwei liegt Luxemburg, wohl auch weil viele europäische Anlagefonds dort domiziliert sind).

Würden die USA die Sanktionen anziehen, könnten amerikanische Gläubiger und Aktionäre gezwungen werden, ihre türkische Wertschriften abzustossen. Das würde die Lira, die Aktienkurse und die Bondmärkte weiter belasten.

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