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Der Chart des Tages

Welches Schwellenland als Nächstes stürzen könnte.

Peter Rohner

Wenn sich die globale Liquiditätsflut zurückzieht, werden die Schwachstellen entblösst. Die Folgen sind Währungskrisen wie in der Türkei und in Argentinien, die besonders stark auf ausländisches Kapital angewiesen sind.

Die Analysten der französischen Grossbank Société Générale sind der Frage nachgegangen, welche weiteren Schwellenländer in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn die Dollarstärke anhält und Geld nicht mehr so billig ist.

Südafrika (angeschrieben mit dem Währungskürzel ZAR), Malaysia (MYR), Indien (INR) und Indonesien (IDR) wirken nach der Türkei (TRY) am verletzlichsten (High Vulnerability). Am robustesten erscheinen Thailand (THB), Südkorea (KRW), China (CNY) und Russland (RUB) (Low Vulnerability). Im Mittelfeld befinden sich die südamerikanischen und die osteuropäischen Schwellenländer. Das geht aus einem Index der Krisenanfälligkeit hervor, den die Bankanalysten anhand verschiedener Indikatoren aufgestellt haben.

Zu den berücksichtigten Daten gehören: Leistungsbilanz, Kapitalflüsse, kurzfristige Auslandschulden, Fremdwährungskredite, Beteiligung der Ausländer am lokalen Bondmarkt, Devisenreserven und Haushaltspolitik. Für jeden Indikator bestimmten sie anhand bestimmter Kriterien (z.B. Defizit oder Überschuss in der Leistungsbilanz), ob es ein wunder Punkte ist oder ob sie darin besonders gut abschneiden.

Die Türkei und Südafrika haben die höchste Anzahl an Indikatoren, die als riskant eingeschätzt werden (vgl. rote Balken). Netto, das heisst abzüglich der positiven Punkte, steht Südafrika aber etwas besser da.

Auffallend verletzlich erscheint Malaysia, dabei weist das Land einen Überschuss in der Leistungsbilanz aus. Doch Abzüge gibt es für die relativ hohen kurzfristigen Auslandschulden (fast 40% des BIP) und die bescheidenen Devisenreserven (weniger als vom IWF empfohlen).

Auch in puncto Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit vermag Malaysia nicht zu glänzen. Zudem befindet sich ein Drittel der Lokalwährungsanleihen im Besitz von ausländischen Investoren, was die Ringgitzinsen abhängig macht von der Laune der internationalen Kapitalgeber.

Indien schneidet zwar bei der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt schlecht ab. Dafür punktet es mit hohen Devisenreserven, dem quasi abgeschotteten lokalen Bondmarkt und den geringen Auslandschulden.

Das Defizitland Indonesien hat zwar wenig kurzfristige Auslandschulden, doch auch dort ist der lokale Bondmarkt unterdessen zu 40% in den Händen von nicht indonesischen Investoren.

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