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Der Chart des Tages

Viel weiter sollte der US-Zins nicht steigen.

Alexander Trentin

Steigende Zinsen sind gefährlich für die Aktienmärkte. Einerseits verteuern sie die Unternehmensfinanzierung und drücken so auf das Ergebnis. Zusätzlich ziehen infolge höherer Zinsen die Anleihenrenditen an und machen so Bonds relativ zu Aktien für Anleger interessanter.

An den Finanzmärkten wird schon länger darüber spekuliert, ob die Unsicherheit über den Wachstumsausblick die US-Zentralbank Fed nicht endlich dazu bewegen wird, die geplanten Zinserhöhungen etwas langsamer anzugehen.

Fed-Chef Jerome Powell hat mit einem subtilen Hinweis den Marktteilnehmern neue Hoffnung gegeben. Am Mittwoch erklärte er, dass sich die Zinsen «nur wenig unter» dem neutralen Zins befänden. Als neutral wird dasjenige Zinsniveau bezeichnet, das die Wirtschaft weder zusätzlich antreibt noch abschwächt. Powells Aussage haben Markteilnehmer so interpretiert, dass das Fed bei den Zinserhöhungen nur noch wenig Luft nach oben hat.

Der neutrale Zins kann nur geschätzt werden, er ist nicht beobachtbar. Der kurzfristige, reale Zins (also nach Abzug der Inflationsrate) liegt nach Schätzungen von Fed-Ökonomen zwischen 1 und 2%. Der langfristige Zins beträgt etwa 1%. Nimmt man an, dass sich die Teuerung auf dem Notenbankziel von 2% einpendelt, sollte der Leitzins nicht viel höher als 3% steigen. Im Moment liegt er in der Bandbreite von 2 bis 2,5%.

Statt sich auf komplizierte ökonometrische Schätzungen zu verlassen, kann man aber auch einfach die Leitzinsen dem nominellen Wirtschaftswachstum gegenüberstellen. Genau das wurde in der obigen Grafik gemacht. In der Vergangenheit konnte sich der US-Zins nie lange über der Wachstumsrate halten. Wenn sich das US-Wachstum wie erwartet nächstes Jahr abkühlt, dann rücken Zinsniveau und Wachstumsrate näher zusammen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass das Fed die Zinsen nicht viel weiter erhöhen sollte.

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