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Der Chart des Tages

Auf eine höhere Inflation spekuliert niemand mehr.

Andreas Neinhaus

Die Weltwirtschaft wird 2019 langsamer wachsen. Das hat Folgen für den Inflationsausblick. Anleger haben ihre Teuerungserwartungen deutlich zurückgeschraubt. Vor allem die Aussichten für das kommende Jahr wurden deutlich reduziert, wie der obige Chart zeigt. Aufgeführt sind die Veränderungen der Inflationsswaps seit Anfang 2018, der Terminkontrakte also, mit denen auf die Inflation spekuliert wird.

Dabei fiel die Teuerung in Europa in den vergangenen zwölf Monaten höher aus. Beispielsweise stieg sie in Deutschland von 1,6 auf 2,3% und in Italien von 0,9 auf 1,6%. In den USA lag die Inflationsrate bereits zu Jahresbeginn höher als diesseits des Atlantiks, bewegte sich anschliessend aber kaum noch. Die Inflationsswaps zum laufenden Kurs (Spot) in den beiden Währungsräumen nahmen entsprechend zu.

Hingegen wendete sich die Einschätzung für die Zukunft (auf Sicht von ein bis zehn Jahren) im Jahresverlauf nach unten. Die konjunkturelle Abkühlung, der scharfe Rückgang der Rohölpreise und nicht zuletzt der Kursverfall an den Aktienbörsen sorgen dafür, dass die Anleger nicht mehr auf einen spürbaren Anstieg der Inflation ab 2019 setzen – weder in den USA noch in der Eurozone.

Der Markt rechnet also nicht damit, dass die Notenbanken in den führenden Ländern gezwungen sein werden, 2019 und danach die Zinsen deutlich zu erhöhen. Diese Sichtweise teilen die verantwortlichen Geldpolitiker in den USA und Europa. Sie äusserten sich zuletzt alle mehrheitlich zurückhaltend. Die Ausgangslage ist aber auch ein Bilderbuchstart für Contrarians: Wer der Meinung ist, dass an den Märkten die Inflationsgefahr grob unterschätzt wird, kann sich jetzt günstig positionieren.

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