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Der Chart des Tages

Wenn China zum Defizitland wird.

Peter Rohner

In einem Punkt war auf China immer Verlass: Das asiatische Exportwunder hat Jahr für Jahr Überschüsse in der Leistungsbilanz erzielt und so – wie die Schweiz oder Deutschland – Auslandvermögen aufgebaut.

Der wichtigste Bestandteil der Leistungsbilanz ist der Aussenhandel. Grenzüberschreitende Löhne, Zinsen und Dividenden sowie Transferzahlungen spielen eine untergeordnete Rolle.

Die Überschüsse sorgten in der Vergangenheit für einen steten Aufwertungsdruck auf die Landeswährung Renminbi, dem die People’s Bank of China mit Devisenkäufen gegensteuerte. So hat Peking einen Fremdwährungsberg angehäuft, der zu Spitzenzeiten 2014 über 4 Bio.$ betrug.

Doch damit ist bald Schluss. Über die letzten Jahre sind die Leistungsbilanzüberschüsse geschrumpft. Die Dienstleistungsbilanz ist schon länger negativ, doch auch die Überschüsse aus dem Güterhandel gehen zurück.

Es wird erwartet, dass Chinas Leistungsbilanz 2019 zum ersten Mal seit 1986 ins Defizit kippt, unabhängig von den Handelsstreitigkeiten mit den USA.

Das wird Folgen haben: Als Defizitland wird China auf ausländische Finanzierung angewiesen sein und muss mehr ausländisches Kapital zulassen. Vor allem aber wird sich dadurch der Renminbi abwerten.

Dadurch könnte der Wettbewerbsnachteil wegen der US-Zölle zum Teil aufgefangen werden. Wenig Freude an einem schwächeren Renminbi werden Chinas direkte Exportkonkurrenten in Asien haben.

Leser-Kommentare

Daniel Haase 29.12.2018 - 11:09

Wenn es China gelingt, etwaige Leistungsbilanzdefizite in eigener Währung zu finanzieren, dann wäre das ein weiterer Schritt auf dem (noch weiten) Weg zur Loslösung vom US-Dollar. Die freie Konvertierbarkeit des Yuan wäre natürlich Voraussetzung dafür.