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Der Chart des Tages

Moody's bewertet am strengsten.

André Kühnlenz

Diesen Freitag stehen interessante Ratingentscheidungen an. Die Agentur Standard & Poor’s (S&P) aktualisiert die Bonitätsbewertung von Österreich (AA+) und Finnland (AA+): beide mit stabilem Ausblick. Einen positiven Ausblick und BBB– hat bei S&P dagegen Portugal, das ebenfalls turnusmässig überprüft wird. Stärker in den Fokus rückt allerdings Italien, für das Moody’s ein Update geben wird.

Beachtenswert bei Italien ist, dass seine Einstufung mit der Note Baa3 (und stabilem Ausblick) einige Politiker und Investoren in den vergangenen Wochen leicht nervös gemacht hat. Denn Baa3 heisst bei Moody’s nur noch eine Stufe über Ramschniveau – das ist, wenn Bonitätswächter Anleihen als spekulative Anlage bewerten. Viele Investoren müssten solche Papiere gemäss ihren eigenen Regeln verkaufen, was einen Kursrutsch mit steigenden Anleihenrenditen auslösen könnte.

Moody’s hat sich in den vergangenen Jahren nach der Eurokrise bei Finanzmarktteilnehmern einen Ruf erarbeitet, besonders streng bei der Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Staaten zu sein. Das bestätigt der obige Chart von Société Générale. Viele Analysten rechnen aber damit, dass die Ratingprüfer diese Woche Italien bei nicht spekulativen Noten belassen werden.

Doch selbst wenn sich Moody’s zur Herabstufung entscheidet, sind da noch die Bonitätswächter von S&P und Fitch. Bei denen wird Italiens Kreditwürdigkeit noch immer zwei Stufen besser als spekulativ bewertet – allerdings mit negativem Ausblick. Oft werden die Urteile dieser drei Agenturen zu einem Durchschnitt zusammengefasst, und Fitch hat erst vor wenigen Wochen das BBB bestätigt.

Dies hatte eine kleine Kurserholung italienischer Staatsanleihen ausgelöst, was nächste Woche wieder passieren könnte, falls Moody’s stillhält. Vorerst droht also kein Ramschszenario für Italien.

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