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Der Chart des Tages

Der milliardenteure Brexit.

Pascal Meisser

Einmal mehr hat Anfang Woche das britische Unterhaus sein Lieblingsverdikt gefällt: Nein, nein, nein und nochmals nein zu den vier Alternativen zum Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May.

Diese zögerliche Haltung kommt das Vereinigte Königreich teuer zu stehen. Bislang gingen Ökonomen davon aus, dass der Brexit die britische Volkswirtschaft jede Woche rund 350 Mio. £ kostet. Die seit dem Brexit-Votum kumulierte Wachstumseinbusse wurde – gemessen am Bruttoinlandprodukt – auf etwas über 1 Prozentpunkt prognostiziert.

Eine neue Studie von Goldman Sachs geht nun aber von deutlich höheren Beträgen aus. Sie schätzt den tatsächlichen Wachstumsverlust seit Sommer 2016 auf 2,4 Prozentpunkte gegenüber einer hypothetischen, nicht vom Brexit-Schock betroffenen Doppelgänger-Volkswirtschaft (hellblaue Kurve). Daraus errechnet sich eine wöchentliche Differenz von rund 600 Mio. £ in der Wirtschaftsleistung. Seit dem Brexit-Votum sind rund neunzig Wochen vergangen, die mutmasslichen Kosten betragen also rund 55 Mrd. £.

Wie hoch die effektiven Kosten der wirtschaftlichen und politischen Trennung tatsächlich sind, wird man nie exakt eruieren können. Allerdings zeigen die Schätzungen, dass der wirtschaftliche Verlust inzwischen die umstrittene Scheidungszahlung an die Europäische Union von 39 Mrd. £ bereits deutlich übertrifft.

(Quelle der Grafik: Goldman Sachs)

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