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Der Chart des Tages

Chinesen verdoppeln die Emissionen neuer Hochzinsanleihen.

André Kühnlenz

Es war das grosse Thema an den Anleihenmärkten Ende 2018. Eine Kombination aus geldpolitischer Straffung und wachsenden Konjunktursorgen in den USA hat die Emissionen von Unternehmensanleihen austrocknen und die Verzinsung stark steigen lassen. Getroffen hatte es die Renditen von Papieren mit BBB-Bonität, die also noch nicht als spekulativ gelten, und die Hochzinsanleihen im Ramschbereich.

Zwar stiegen die Zinsaufschläge gegenüber sicheren US-Staatsanleihen keineswegs auf ein Niveau, das auf akuten Finanzmarktstress deutete. Allein in der Korrektur der Aktienbörsen Anfang 2016 waren die Spreads um zwei Drittel höher als Ende 2018. Dennoch: Notenbankchef Jerome Powell reagierte Ende Januar, indem er andeutete, dass der Verkauf von Anleihen auf der Bilanz des Federal Reserve nicht automatisch laufen muss.

Kurz vor Weihnachten hatte Powell noch die damalige Strategie der US-Notenbank bestätigt, die darauf aus wahr, die Liquidität im Finanzsystem durch den Verkauf von Anleihen zu reduzieren. Dies hatte die Finanzmärkte in den letzten Handelstagen 2018 auf Talfahrt geschickt. Mittlerweile ist auch klar, dass die US-Notenbank im September tatsächlich mit dem Bilanzabbau aufhören wird.

Im ersten Quartal ist die Emissionstätigkeit bei Hochzinsanleihen angesprungen, wie neueste Daten von Refinitiv (früher Thomson Reuters Financial & Risk) zeigen. Demnach lag das globale Emissionsvolumen von High-Yield-Anleihen im ersten Quartal bei 97 Mrd. $, was 8% mehr ist als 2018. Doch ein Grossteil davon geht auf das Konto Chinas, das sein Volumen der neuen Anleihen auf Jahressicht verdoppelt hat und nun für 19% der globalen Emissionen der Hochzinsanleihen steht.

Bei Unternehmensanleihen mit Investment Grade (Anlagequalität), also besser als Ramsch, hat es auf dem US-Markt keine Wende gegeben. Das Volumen lag im ersten Quartal bei 303 Mrd. $, immer noch 8% unter dem Vorjahresniveau. Das passt dazu, dass die Welt derzeit gebannt darauf schaut, ob die Chinesen mit ihrer wachsenden Verschuldung und Steuersenkungen der Weltwirtschaft einen neuen Kick geben. Es darf gezweifelt werden.

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