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Der Chart des Tages

Griechische Staatsanleihen rentieren weniger als US-Treasuries.

Peter Rohner

Es ist noch gar nicht so lange her, da fürchteten Investoren weltweit den Grexit, den namensgebenden Vorfahren des Brexit. Gemeint waren damit der Austritt Griechenlands aus der Eurozone und die daraus resultierende Wertlosigkeit der griechischen Staatsanleihen.

Zuletzt drohte die Lage unter dem Finanzminister Yanis Varoufakis im Sommer 2015 zu eskalieren, als sich Hellas und Brüssel über das dritte Hilfsprogramm stritten.

Auf bis zu 20% schoss die Rendite der griechischen Staatsanleihen, und die Kurse rasselten in den Keller.

Von dieser Panik ist heute nicht mehr viel zu sehen: Das Rettungsprogramm endete im August 2018, der griechische Staat kann wieder an den internationalen Kapitalmärkten Geld aufnehmen. Die Wirtschaft wächst, und die Langfristzinsen sind auf das tiefste Niveau seit 2006 gesunken.

Fünfjährige griechische Bonds rentieren unterdessen weniger als US-Treasuries mit gleicher Laufzeit, wie die obige Grafik zeigt.

Griechische Papiere lauten aber auf Euro und nicht auf Dollar. Deshalb sagt der Renditevergleich allein wenig über das Ausfallrisiko aus, sondern viel mehr über den Zinsunterschied zwischen den USA und der Eurozone. In Deutschland etwa rentieren fünfjährige Bundesanleihen –0,4%. Die niedrigen Zinsen sind Ausdruck der geringen Wachstums- und Inflationserwartungen.

Der Abstand zu den praktisch risikolosen deutschen Bundesanleihen beträgt für Griechenland rund 2,75 Prozentpunkte. Das ist zwar immer noch die höchste Risikoprämie in der Eurozone, aber nicht mehr zu vergleichen mit den Zinsaufschlägen vor drei Jahren.

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