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Der Chart des Tages

Kein üppiger Impuls aus China.

André Kühnlenz

Beobachter und Anleger hoffen derzeit auf den Konjunkturschub, den Chinas Staatsführung dem eigenen Land und damit womöglich auch der Weltwirtschaft verpasst hat. Diese Hoffnungen könnten übertrieben sein, geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuesten Ausblick doch davon aus, dass sich das Wachstum von Chinas Importen (Güter und Dienstleistungen) dieses Jahr auf 4% halbiert. Einen Zuwachs von 20% wie 2010 sollte ohnehin niemand erwarten.

Interessanterweise war die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt bereits 2018 eine wichtige Stütze der globalen Ökonomie, denn im Vorjahr beschleunigte sich das Wachstum der Importe von Gütern und Dienstleistungen (in Yuan gerechnet und inflationsbereinigt) von 7 auf 8%. Und das trotz der Zölle aus den USA. Dabei war auch China vom nachlassenden Welthandel betroffen: Das Exportwachstum verringerte sich 2018 real von 9 auf 4%.

Bodenbildung im globalen Technologiesektor

Immerhin sagt der IWF für 2019 noch ein Importplus voraus. Das ist bemerkenswert, nachdem die Gütereinfuhren zur Jahreswende tatsächlich bereits gesunken sind. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) analysiert in ihrem neuesten Wirtschaftsbericht den Rückgang der Importe Chinas in den Monaten November bis Februar.

«Die chinesische Importflaute der letzten Monate war massgeblich den schwachen Wareneinfuhren aus anderen bedeutenden Volkswirtschaften Asiens zuzuschreiben»,  heisst es bei der EZB. Ähnlich stark war der Rückgang der Importe aus den USA, der teilweise darauf zurückging, dass die chinesische Sojabohnennachfrage von den Vereinigten Staaten auf Brasilien umgelenkt wurde. Rohstofferzeuger und die Eurozone waren vom Rückgang der chinesischen Einfuhren dagegen nicht direkt betroffen.

Vorsichtig optimistisch blickt die EZB nun voraus. So könnte der globale Technologiesektor einen Boden erreicht haben, schreiben die Fachleute. Die Branche dürfte für den jüngsten Rückgang der chinesischen Einfuhren gestanden haben. So bleibt die Hoffnung, dass sich am Ende die Prognose des IWF erfüllt. Ein üppiger Schub für die Weltwirtschaft wäre dies allerdings nicht.

(Quelle der Grafik: FuW)

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