Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Wo ist der Fiskalimpuls von Donald Trump?

André Kühnlenz

In den USA ist es sehr einfach, den Überblick über die Staatsfinanzen zu verlieren. Da folgt ein Regierungsstillstand nach dem anderen, neue Schätzungen und Budgetprojektionen aus dem Kongress verwirren am Ende oft nur. Für Anleger, die erahnen wollen, wie die US-Staatsfinanzen auf das Wachstum wirken, ist es ein Dickicht. Zumal in den Berichten aus Washington die Ausgaben der Bundesstaaten und der Kommunen fehlen.

In so einem Fall können Institutionen wie der Internationale Währungsfonds helfen, die sich tatsächlich die Ausgaben des Gesamtstaates anschauen – nicht nur die der Zentralregierung. Auch die EU-Kommission legt zweimal im Jahr ausführliche Prognosen zu den Staatsausgaben der wichtigsten Industrieländer vor – darunter der Vereinigten Staaten. Am Dienstag war es wieder so weit, Brüssel präsentierte die Frühjahrsprognose.

Die Ergebnisse sind erstaunlich: Entgegen landläufigen Meinungen gab es vergangenes Jahr und gibt es in diesem Jahr gar keinen Fiskalschub in den USA, wie die Daten der EU-Datenbank Ameco zeigen. Die gesamten Staatsausgaben für konsumtive Zwecke (z.B. Bildung, Gesundheit, Sport, Kultur, Verwaltung, Verteidigung, Recht und Ordnung) sowie für Investitionen werden 2019 gemäss Prognose sogar nur minimal stärker wachsen als das Bruttoinlandprodukt (BIP).

Zum Vergleich: In Deutschland wachsen die Ausgaben seit 2015 ununterbrochen schneller als das BIP, und das deutlich. Was in den USA dagegen deutlich stärker zulegt als das BIP, sind die monetären Sozialleistungen – wer hätte das gedacht? Mit einem erwarteten Plus von 6% liegen sie in diesem Jahr aber weiterhin unter den Wachstumsraten, die noch vor der Finanzkrise üblich waren – von 2000 bis 2010 rund 8% pro Jahr.

(Quelle der Grafik: FuW)

Leser-Kommentare