Blogs / Momentum / Chart des Tages

Der Chart des Tages

Trumps Zollkrieg schadet den US-Exporteuren.

Andreas Neinhaus

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich zu. Nachdem die USA am Freitag die Zölle auf zahlreiche chinesische Importgüter mehr als verdoppelt haben, wartet die Weltöffentlichkeit nun darauf, wie Peking reagieren wird. Donald Trump brach den Streit vergangenes Jahr vom Zaun – mit der Absicht, der US-Wirtschaft zu helfen. Bislang geht der Schuss jedoch nach hinten los: Wie der obige Chart zeigt, erleben amerikanische Exporteure viel grössere Einbussen als ihre chinesischen Konkurrenten.

Die amerikanischen Exporte nach China sind stärker zurückgegangen als die chinesischen Exporte in die USA. Im April beispielsweise um 26 resp. 13% gegenüber dem Vorjahr. Das US-Handelsdefizit mit China hat sich also ausgeweitet. Das ist das Gegenteil dessen, was die US-Regierung beabsichtigt.

Der Chart zeigt diese kontraproduktive Entwicklung anhand kumulierter Werte, um so die zum Teil heftigen monatlichen Schwankungen zu glätten. Seit Ende 2018 sind demnach die chinesischen Exporte in die USA um 3% geschrumpft (hellblaue Linie), während die chinesischen Importe amerikanischer Güter um 15% abgenommen haben (dunkelblaue Linie). Absolut war die Einbusse der US-Exporteure doppelt so gross wie die der chinesischen Exporteure. «Überall Verlierer, doch die grösseren sitzen in den USA», resümieren die Ökonomen des Fondshauses DWS.

China gelingt es offenbar besser als den USA, seine Importe umzulenken und zunehmend aus anderen Ländern zu beziehen als vom Gegner im Handelskonflikt. Auch scheint sich Chinas Politik der letzten Jahre, neue Exportmärkte zu erschliessen, nun auszuzahlen. Eine vergleichbare Strategie fehlt im Weissen Haus. Dort setzt man allein auf Importschranken. Dass das nicht zum Ziel führt, wird immer offensichtlicher.

(Quelle der Grafik: DWS)

Leser-Kommentare