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Der Chart des Tages

Amerikas Auslandgewinne schrumpfen.

André Kühnlenz

Die Berichtssaison für das erste Quartal in den USA ist fast vorüber, und die Erwartungen der Analysten wurden von vielen Gesellschaften im wichtigen Index S&P 500 übertroffen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gewinne im Durchschnitt gesunken sind. Stand 13. Mai war es nach Berechnungen von FactSet gegenüber der Vorjahresperiode ein Rückgang um 0,5%.

Das Interessante aus konjunktureller Sicht sind dabei zwei Beobachtungen: Die berichteten Gewinnmargen sinken, denn der Umsatz ist im Schnitt um 5,3% gestiegen. Dies könnte ein Hinweis sein, dass auch der Anteil der operativen Überschüsse an der Wertschöpfung im US-Privatsektor bald sinken könnte. Die Investitionsquote sendet bereits alarmierende Signale.

Wenn die Profitabilität des Standorts nachlässt, steigt das Risiko, dass die Unternehmen irgendwann anfangen, Jobs abzubauen, und damit eine Rezessionsspirale in Gang setzen. Nun ist auch klar, dass die Gewinnmargen der Unternehmen im S&P 500 sinken, die einen Grossteil (mehr als 50%) des Umsatzes im Inland machen. Immerhin hält derzeit der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten.

Beunruhigend ist, dass bei den Gesellschaften, die mehr als 50% des Umsatzes im Ausland erwirtschaften, der Gewinn viel stärker eingebrochen ist: um fast 13% – bei einem stagnierenden Umsatz. Dies kann kaum mit der Unsicherheit rund um den Handelskrieg zwischen China und den USA erklärt werden. Diese Unternehmen fallen als Stütze für den amerikanischen Standort vorerst offenbar weg.

Wer nach Gründen sucht, warum die Anleger an den Anleihenmärkten in den vergangenen Wochen skeptisch geblieben sind, während das Übertreffen der Gewinnerwartungen bis vor kurzem noch die Aktienkurse getrieben hat, der wird also in der Gewinnentwicklung fündig.

(Quelle der Grafik: FactSet)

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